Länderinfo: Ungarn

(Stand: 2007)
aus OWEP 2/2007  •  von Markus Leimbach

Eine aktuelle Fassung der Länderinformation zu Ungarn finden Sie unter www.renovabis.de/laender-projekte/laenderinformationen/ungarn.

Fläche: 93.030 qkm

Einwohner: 10.800.000

Hauptstadt: Budapest

Ethnische Gruppen:
89,9 % Ungarn; 4,0 % Roma; 2,6 % Deutsche; 2,0 % Serben; 1,5 % Andere (Slowaken, Rumänen usw.)

Geschichtlicher Überblick:
Die Ungarn stammen aus dem Ural und ließen sich im 9. Jahrhundert an der mittleren Donau nieder. Unter Stefan I. (Istvan), der 1001 zum König gekrönt wurde, nahmen die Ungarn das Christentum westlicher Prägung an. Andreas II. (1204-1235) erließ 1222 die „Goldene Bulle“ mit grundlegenden Regelungen für Aufbau und Verwaltung des Königreichs. Der Mongolensturm im 13. Jahrhundert und die Einfälle der Osmanen im 15. Jahrhundert schwächten das Reich, das schließlich im 16. Jahrhundert in drei Teile zerfiel: Die osmanischen Türken übernahmen die Herrschaft im zentralen Gebiet, daneben bestand ein eigenständiges Siebenbürgen, der Nordwesten wurde habsburgisch. Ab 1683 drängten die Habsburger die Türken zurück; bis zum Beginn des 19. Jahrhundert kam es im nunmehr von Wien aus regierten Ungarn immer wieder zu Aufständen.

Im Revolutionsjahr 1848 erhoben sich die Ungarn erfolglos gegen den Wiener Zentralismus, dennoch konnte die erwachende Nationalbewegung nicht mehr aufgehalten werden. Im „Ausgleich“ von 1867 wurde die ungarische Reichshälfte schließlich gleichberechtigter Partner innerhalb der Doppelmonarchie Österreich-Ungarn. Nach der Niederlage im Ersten Weltkrieg verlor Ungarn durch den Vertrag von Trianon Zweidrittel seines Territoriums, große ungarische Minderheiten gelangten unter die Herrschaft der Nachbarstaaten. Aus diesem Grunde dominierte in der Zwischenkriegszeit eine Politik des Revisionismus, die Ungarn zu Beginn des Zweiten Weltkriegs zum Verbündeten Deutschlands machte. Ende des Zweiten Weltkriegs stand Ungarn unter sowjetischer Besetzung, in deren Folge 1949 die Volksrepublik Ungarn ausgerufen wurde. 1956 kam es zu einem durch Imre Nagy geführten Aufstand gegen die Sowjetherrschaft, der brutal niedergeschlagen wurde. Nach 1968 setzte eine allmähliche Liberalisierung ein („Gulaschkommunismus“).1988 begann der Prozess der Unabhängigkeit, der am 11.09.1989 mit der Grenzöffnung seinen Höhepunkt fand. Am 25.03.1990 fanden erste freie Wahlen seit 43 Jahren statt. 1999 wurde Ungarn Vollmitglied der NATO, 2004 Mitglied der EU.

Politisches System:
Seit 1989 parlamentarische Demokratie, regiert durch die 386-köpfige Nationalversammlung, die alle vier Jahre (letzte Wahl: April 2006) gewählt wird.
Staatsoberhaupt: Dr. László Sólyom (seit August 2005)
Regierungschef: Ferenc Gyurcsány (seit Juni 2006)

Ökonomische und soziale Rahmendaten:
Das Bruttoinlandsprodukt pro Einwohner liegt umgerechnet bei etwa 8.900 Euro. Mit einer Arbeitslosenquote von ca. 7,2 Prozent (2005) steht Ungarn im internationalen Vergleich recht günstig da. Alle Personen, die in einem abhängigen Arbeitsverhältnis stehen, sind kranken-, renten- und arbeitslosenversichert; die Krankenhausversorgung ist frei. Das Sozialgefälle zwischen der Stadt- und Landbevölkerung und zwischen West- und Ostungarn ist immer noch sehr groß, was eine große Landflucht besonders nach Budapest zur Folge hat. Die Sozialhilfe richtet sich nach der Anzahl der Kinder; Schulkinder erhalten besondere Zuschüsse. Ca. 8,6 Prozent der Bevölkerung leben unterhalb der Armutsgrenze.

Kirchliche Strukturen:
In Ungarn gehören ca. 54 % der Bevölkerung der römisch-katholischen Kirche an (14 Territorialdiözesen und Militärordinariat). In der Seelsorge sind ca. 30 Bischöfe und ca. 1.900 Diözesanpriester sowie ca. 400 Ordenspriester aus 23 Gemeinschaften und 2.600 Ordensschwestern aus 55 Gemeinschaften tätig.

Renovabis-Projekte und Schwerpunkte der Förderung:
Renovabis fördert Projekte zur Verbesserung der kirchlichen Infrastruktur auf den Ebenen der Pfarrei, des Bistums und der Bischofskonferenz. In den Pfarreien werden Gemeinde- und Jugendpastoralarbeit sowie Ausbildungsprojekte unterstützt. Schwerpunkt bei den Ausbildungs-projekten sind neben der Stärkung des katholischen Schulsystems vor allem auch Projekte zur Förderung der Zigeuner und zum Aufbau der Jugend- und Erwachsenenbildungsarbeit in den Pfarreien und Diözesen. Projekte zusammen mit der Bischofskonferenz zielen auf die Vernetzung und den Ausbau überdiözesaner Strukturen ab.

Interessante Internetadressen: (letzter Aufruf: 23.10.2014)
http://www.ungarn-tourismus.de/ (allgemeine Informationen)
http://www.kormany.hu/hu/kulgazdasagi-es-kulugyminiszterium (Seite der ungarischen Regierung)
http://www.katolikus.hu (Seite der kath. Kirche in Ungarn)