Die baltischen Länder und ihr Exil am Beispiel Lettlands

Der Autor ist römisch-katholischer Bischof der Diözese Liepāja in Lettland.

Das lettische Exil, das sich als Ergebnis des Zweiten Weltkrieges im Westen herausbildete, betrachtete sich selbst als ein politisches Exil. Die Letten flohen nach Westen, weil sie sich vor dem kommunistischen Regime fürchteten. Unmittelbar nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges war es nicht möglich, die Unabhängigkeit von Lettland wieder herzustellen, und so verwurzelten sich die Letten im Westen, pflegten ihre Kultur in der Fremde und hofften auf die Wiedererlangung der Unabhängigkeit. Die Letten waren somit gezwungenermaßen dazu verurteilt, im Exil zu bleiben. Die ersehnte Unabhängigkeit kam erst 45 Jahre später.

Der Molotow-Ribbentrop-Pakt war der Grund, dass die baltischen Länder ihre Unabhängigkeit verloren

Die Unterdrückung der baltischen Länder beginnt mit dem Molotow-Ribbentrop-Pakt, der die strategische Einigung von Hitler und Stalin darstellt. Der Vertrag zwischen Nazi-Deutschland und der Sowjetunion hieß offiziell „Nichtangriffspakt zwischen Deutschland und der Sowjetunion“; er wurde am 23. August 1939 in Moskau von Wjatscheslaw Molotow, Außenminister der Sowjetunion, und Joachim von Ribbentrop, Außenminister Nazi-Deutschlands, unterzeichnet. Der Vertrag beinhaltete ein geheimes Zusatzprotokoll, welches die Länder Finnland, Estland, Lettland, Litauen, Polen und Rumänien nach Interessensphären der Sowjetunion und Deutschlands aufteilte. Als Ergebnis dieses Paktes okkupierte die Rote Armee Estland, Lettland und Litauen; Polen wurde zwischen Deutschland und der Sowjetunion aufgeteilt; Finnland und Rumänien wurden gezwungen, Teile ihres Staatsgebietes an die Sowjetunion abzutreten.

Die sowjetischen Deportationen

Die baltischen Staaten wurden von der Sowjetunion im Juni 1940 okkupiert, und am 14. Juni 1941 wurden ohne irgendeine rechtliche Grundlage Familien, alte Leute und Kinder nach Sibirien deportiert. Ihr Eigentum wurde beschlagnahmt. In überladenen Viehwaggons wurden mehr als 15.000 Personen auf wochenlangen Fahrten nach Sibirien deportiert. Viele starben bereits auf diesem Transport, weil ausreichend Wasser und Nahrung fehlten.

Der Befehl zur Deportation war bereits am 21. Januar 1941 vom Stellvertretenden Volkskommissar für die Sicherheit der gesellschaftlichen Ordnung in der Sowjetunion Ivan Serov unterzeichnet worden. Es war vorgesehen, die Viehwaggons mit jeweils 25 Personen aufzufüllen. In der Realität waren in jedem Viehwaggon mehr als 35 Personen. Die Personen wurden nicht nach Familien, alten Menschen oder Kindern unterschieden. Häufig wurden Familienmitglieder getrennt. Die Deportationen fanden in der Nacht vom 13. zum 14. Juni 1941 statt. Die Menschen wurden aus dem Schlaf gerissen und mussten in wenigen Stunden packen. Mit Transportern wurden sie von ihrem Hof zu den Abtransportorten gebracht. Ohne eine Verurteilung wurden auf diese bestialische Weise mehr als 15.000 Personen aus Lettland nach Sibirien verschleppt; aus Estland wurden 10.000 Personen deportiert, aus Litauen 24.000.

Die Deportierten waren großenteils Vertreter der Intelligenz, Offiziere der lettischen Armee, erfolgreiche Unternehmer und Landwirte, Vertreter der Sicherheitseinrichtungen Lettlands und Personen, die Glieder der funktionierenden Zivilgesellschaft darstellten. Die Deportationen überraschten sie mitten in der Nacht, sodass sie sich nicht wehren konnten. Diese Deportationen waren ein echter Genozid. Viele Deportierte starben an Hunger, andere wegen der unmenschlichen Arbeitssituation in den Lagern, wieder andere wurden einfach erschossen.

Die Deportierten wurden zu Sklaven gemacht. Was kann dieses Unrecht je wieder kompensieren? Russland müsste zuallererst die Pflicht anerkennen, für diese Sklavenarbeit in der Verbannung zu zahlen, für das zerstörte persönliche Leben, für das verlorene materielle Gut und die zu Tode gequälten Verwandten. So verwundert es auch nicht, dass gegen Ende des Zweiten Weltkrieges – als sich die sowjetische Armee näherte – viele Menschen nach Westen flohen. Ihre Furcht war begründet, denn am 25. März 1949 wurden mehr als 13.500 lettische Familien nach Sibirien deportiert, ihr Eigentum wurde verstaatlicht und die Menschen wurden zu Sklaven gemacht: Das ist die Ursache des Exils. In den Westen flohen aus eigenem Ansporn überwiegend Vertreter der Intelligenz, die – je länger das Exil andauerte – hier auch neue Arbeit fanden. Viele hatten dann auch nicht mehr die Möglichkeit, in die Heimat zurück zu kehren. Insgesamt emigrierten aus Lettland etwa 250.000 Menschen. Von diesen Flüchtlingen verloren nahezu 50.000 auf der Flucht ihr Leben.

Bei der Aufnahme der Flüchtlinge aus dem Osten wurden in Deutschland zunächst Auffangpunkte zur Überprüfung der Personen eingerichtet. Dort wurde untersucht, ob die Flüchtlinge den Sicherheitsanforderungen genügten; auch eine Gesundheitsüberprüfung wurde vorgenommen. Anschließend wurden die Flüchtlinge in Auffanglager eingewiesen, von wo die arbeitsfähigen Personen zu Arbeiten heran gezogen wurden. Personen, die nicht arbeitsfähig waren, wurden in spezielle Auffanggebiete geschickt, in denen Gemeinschaftslager errichtet wurden. Im deutschen Außenministerium erhielten die Letten sogar eine eigene „Lettische Leitstelle“, die für die Flüchtlinge sorgte.

Nach Kriegsende lebte der Großteil der Flüchtlinge in Lagern. Die UNRRA („United Nations Relief and Rehabilitation Agency“) zahlte in den Jahren 1945 und 1946 für den Unterhalt der Flüchtlinge. Anschließend sorgte die IRO („International Refugee Organisation“) für die Flüchtlinge, die Deutschland nicht verlassen wollten. Im Jahre 1948 emigrierten dann viele lettische Flüchtlinge in andere Länder. Sie gingen größtenteils nach Kanada, in die USA, nach Australien, Großbritannien und Schweden. Im Jahre 1980 lebten in den USA 92.000-100.000 Letten, in Australien 31.000-36.000, in Kanada 18.000, in Europa etwa 30.000 und in Südamerika knapp 7.000. In Deutschland verblieben die lettischen Flüchtlinge, die in den anderen Länder aus gesundheitlichen oder anderen Gründen keine Aufnahme fanden.

Die Letten organisieren sich nach dem Krieg im Exil

Im Jahre 1947 wurde der Marshallplan aufgelegt; dafür gebührt dem US-Präsidenten Harry Truman ein besonderer Dank. In den Jahren 1947-1951 erhielten sechszehn europäische Staaten von den USA eine Hilfe im Wert von ca. 13 Milliarden US-Dollar. Westdeutschland erhielt hiervon 12 Prozent, Italien 10 Prozent. Die Sowjetunion beteiligte sich an diesem Plan nicht und verbot, den Ländern in ihrer Einflusszone eine Unterstützung zu geben. So begann der „Kalte Krieg“. 1949 wurde die NATO gegründet, die den freien Teil von Europa schützte.

Die Sowjetunion ermunterte Flüchtlinge zur Rückkehr und verlangte von den Westalliierten die Herausgabe von Letten, die auf der Seite Deutschlands gekämpft hatten, was aber nicht erfolgte. Nur Schweden übergab Angehörige der „lettischen Legion“, die nach Schweden geflohen waren, an die Sowjetunion1. Viele ehemalige Mitglieder der „lettischen Legion“ engagierten sich in der Zivilgesellschaft ihrer neuen Gastländer.2 Flüchtlinge aus allen drei baltischen Ländern gründeten in Hamburg eine Universität, die später nach Pinneberg umzog. Letten spielten auch eine große Rolle bei der Gründung der Flüchtlingsuniversität in München. In Oldenburg wurde eine lettische Oper gegründet.

Bereits am Anfang des Exils entstanden Organisationen, die sich um die Letten in der dortigen Flüchtlingsregion kümmerten und verschiedene kulturelle (Kulturtage) und festliche Anlässe (staatliche Festtage) veranstalteten. Fast in allen Städten, wo eine größere Gruppe Letten wohnte, bildete sich eine lettische Gemeinschaft. Als größte globale Organisation etablierten sich die „Daugavas vanagi“ („Dünafalken“), die 1945 im Flüchtlingslager Cedelghem (Belgien) von Kriegsgefangenen gegründet wurden. Die Organisation der „Dünafalken“ vermittelte den in Deutschland gebliebenen Flüchtlingen Hilfe, ebenso den Kriegsgefangenen und Invaliden.

1948 wurde in Esslingen der Nationale Rat der Letten gegründet, der im Jahre 1951 seine Arbeit einstellte, als viele Mitarbeiter des Rates in andere Länder auswanderten. 1955 wurde in den USA die globale Organisation aller Exilletten gegründet – „Pasaules Brivo latviesu apvieniba“ („Weltbund Freier Letten“). In Europa arbeitete seit 1951 das „Latviesu atbrivosanas Eiropas centrs“ („Europäisches Zentrum zur Befreiung der Letten“), das sich aus den Nationalen Komitees der Europäischen Länder zusammensetzte. Es gab auch Organisationen für die verschiedenen Konfessionen, Studenten und für andere Gruppen. In einigen Ländern wurde schwerpunktmäßig Literatur über Lettland in Bibliotheken gesammelt, wie z. B. in Deutschland in der Preußischen Staatsbibliothek in Berlin und im Herder-Institut in Marburg. Außerdem gab es auch mehrere lettischsprachige Verlage, Theater, Chöre und Volkstanzgruppen.

In Münster bestand ein lettisches Gymnasium, das am 15. Februar 1946 in Detmold gegründet und 1957 nach Münster verlegt wurde. Dort wurde in Lettisch unterrichtet und gesprochen. Besonders viel Wert hat man dort auf lettische Geschichte, Folklore und Literatur gelegt. Das Niveau in der Schule entsprach den europäischen Standards. Der Großteil der Schüler kam anfangs aus Deutschland, später aus den USA, Kanada, Australien und anderen Ländern. Nach der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Lettlands wurde das Gymnasium geschlossen. Ein weiteres Gymnasium gibt es in Garezers in den USA. Für die Jugend wurde in allen Ländern viel getan, etwa Sonntagsaktivitäten, Einrichtung von Kindergärten und Mittelschulen.

Besonders gepflegt wurde auch die Tradition der Sängerfeste mit Chorauftritten, Theateraufführungen, Schriftstellertreffen, Volkstanzvorführungen, Kunstausstellungen, Sitzungen der verschiedenen Organisationen und anderen Festivitäten. Bisher hat es mehr als 20 Sängerfeste gegeben, an denen über 50 Chöre mit 1.250 Sängern und mehr als 10.000 Zuhörern teilnahmen. Sängerfeste fanden in den USA, Kanada, Australien, Deutschland, Schweden und England statt. Es gab auch mehrere Sängerfeste speziell für Jugendliche. In Australien finden jährlich lettische Kulturtage statt.

Buchverlage wurden gegründet, und es gab fünf regelmäßig erscheinende Zeitungen: in den USA „Laiks“ („Die Zeit“), in Kanada „Latvija Amerika“ („Lettland in Amerika“), in England „Londonas Avize“ („Londoner Zeitung“), in Deutschland „Latvija“ („Lettland“) und in Australien „Australijas Latvietis“ („Der Lette in Australien“). Mehrere lettische Religionsgemeinden bildeten sich, und in einigen Orten, insbesondere in den USA, wurden sogar eigene Kirchen errichtet.

Das gegenseitige Verhältnis von Staat und Kirche war nie geprägt von Gleichgültigkeit. Die Kirche hat die Traditionen der Nation immer bewahrt und ist ein Ort der Repräsentation gewesen, als Quelle für die Moral im Staat ebenso wie als verfolgtes Objekt. Gegen Kriegsende wurden die Bischöfe aller Konfessionen von der deutschen Verwaltung nach Deutschland gebracht. Einzig der katholische Erzbischof verblieb in Lettland, da er sich aus gesundheitlichen Gründen weigerte, seine Heimat zu verlassen. Von den evangelischen Geistlichen begaben sich etwa 60 Prozent auf die Flucht nach Westen. Bei den Katholiken waren es nur etwa 20 Prozent aller Geistlichen (ca. 40 Priester).3

Als der evangelische Erzbischof verstarb, wurde ein Nachfolger ernannt. Der jetzige lettische evangelische Erzbischof lebt in Esslingen. Die Katholiken hatten drei Bischöfe. Alle sind zwischenzeitlich verstorben. Von den katholischen Priestern sind nur noch wenige am Leben. In Brüssel lebt der vom Vatikan eingesetzte lettische Vertreter der Katholiken, aber er übt nur eine beratende Funktion aus. Einige Exilpriester sind in die Heimat zurückgekehrt. Bei den Katholiken sind es vier, von denen zwei zu Bischöfen ernannt wurden.

Seit 1945 gab es in Schilde (Belgien) ein Priesterseminar4, zu dessen Leiter der lettische Bischof Boleslavs Sloskāns5 ernannt wurde. Aus diesem Seminar sind sieben Priester hervorgegangen. Sie arbeiteten in den USA, Australien, Belgien, Deutschland und in Italien bei Radio Vatikan. Außerhalb dieses Priesterseminars sind während der Exilzeit weitere sechs katholische Priester ins Amt eingeführt worden.

Das herausragendste Ereignis im Exil waren die 800-Jahrfeiern der Evangelisierung Lettlands. Diese Feierlichkeiten wurden von Papst Johannes Paul II. initiiert. Die lettischen Mitarbeiter bei Radio Vatikan waren für die Vorarbeiten verantwortlich. Das Ereignis wurde im Juni 1986 begangen. Aus Lettland durfte weder ein Priester noch ein Laie an den Feierlichkeiten teilnehmen, auch einigen lettischen Historikern war die Teilnahme an diesen Feierlichkeiten verwehrt. In Rom fand in den Räumlichkeiten der Lateranuniversität ein Internationaler Kongress über die Evangelisierung Lettlands statt. Eine stattliche Anzahl wichtiger Historiker aus der ganzen Welt nahm daran teil. Der Vatikan übernahm alle Kosten für die Durchführung dieses Jubiläums. Im Vatikan wurde ein festlicher ökumenischer Gottesdienst von Papst Johannes Paul II. zelebriert. An diesem Gottesdienst nahm der evangelische lettische Erzbischof Arnolds Lusis mit fünf höheren evangelischen Priestern und 12 lettischen katholischen Priestern teil. Im Petersdom fand eine hl. Messe unter Teilnahme von mehreren Kardinälen und Bischöfen aus ganz Europa statt. Dieser Gottesdienst wurde von Radio Vatikan direkt übertragen und konnte überall auf der Welt gehört werden. Das Ereignis fand in der internationalen Presse eine große Beachtung. Bald danach kam auch die lang erwartete Unabhängigkeit Lettlands.

Die Exilletten sind dankbar für die Möglichkeit, dem Sowjetterror entkommen zu sein. Viele konnten eine hervorragende Bildung erhalten und haben sich gut in die hiesigen Gesellschaften eingebracht. Einige ältere Personen konnten sich nicht mehr anpassen und hatten mit vielen Entbehrungen und Schwierigkeiten zu kämpfen. Dieses wurde aber mit viel Geduld ertragen, denn niemand wollte in ein Lettland unter sowjetischer Herrschaft zurück. Andere wurden sogar Professoren an Universitäten und begnadete Wissenschaftler. Einige sind nach dem Zusammenbruch der Sowjetherrschaft zurückgekehrt und bekleiden heute wichtige Ämter im freien Lettland. Die jetzige Präsidentin Lettlands, Vaira Vīķe-Freiberga, war während ihrer Exilzeit in Kanada Professorin an der Universität in Montreal.

Die junge Generation assimiliert sich im Exil zunehmend, trotz der Anstrengungen an einigen Orten, die lettische Sprache zu bewahren und die lettische Kultur zu fördern.

Aus dem Lettischen übersetzt von Paulis Apinis.


Fußnoten:


  1. In der „lettischen Legion“ waren die Soldaten aus Lettland vereint, die auf Seiten der Wehrmacht gegen die Sowjetunion kämpften. Anfangs handelte es sich nur um Freiwillige, die sich als Kämpfer gegen die Sowjetmacht und für die Freiheit ihrer Heimat verstanden haben dürften; später fand eine allgemeine Mobilmachung statt. Die „lettische Legion“ bestand aus zwei Divisionen, in denen bis Juli 1944 ca. 30.000 Soldaten an der Ostfront auf deutscher Seite mitkämpften. Im Sommer 1944 wurden noch einmal über 11.000 Personen einberufen. Die Legion erlitt hohe Verluste. Nach Kriegsende war ein Großteil der Soldaten als Kriegsgefangene in Lagern der Westalliierten in Deutschland und in Cedelghem (flämisch: Zedelgem/Belgien) untergebracht, u. a. auch der Kaplan der Legion K. Rucs. 

  2. Bei einer Darstellung der Geschichte der „lettischen Legion“ darf allerdings nicht unterschlagen werden, dass ihre Mitglieder in der Regel die Uniform der Waffen-SS trugen. Viele Mitglieder stammten auch aus Polizeiabteilungen, deren aktive Beteiligung am Holocaust in Lettland dokumentiert ist. Zum Umgang mit diesem Kapitel der Geschichte im heutigen Lettland vgl. auch Natalija Bolschakowa: Russen und Letten im heutigen Lettland, in: Ost-West. Europäische Perspektiven 5 (2004) (Anm. d. Redaktion). 

  3. Außerdem wurden seit Anfang 1941 unter dem Sowjetregime 70 Priester verhaftet. Davon wurden sieben ermordet, zwölf weitere starben in den sowjetischen Gefängnissen durch Folter oder infolge der unmenschlichen Haftbedingungen. 

  4. Das katholische lettische Seminar wurde mit Unterstützung des Apostolischen Nuntius in Belgien, Clemente Micara, gegründet. Dort traten auch mehrere jugendliche Gefangene aus Cedelghem (vgl. oben, Anm. 1) ein. 

  5. Bischof Boleslavs Sloskāns (1893-1981) wirkte kurzzeitig in Weißrussland (1926/27), wurde dann von den sowjetischen Behörden verhaftet und nach Sibirien deportiert. Nach seiner Begnadigung und Abschiebung nach Lettland (1933) war er in Lettland als Universitätsdozent tätig. 1944 gelangte er mit anderen hohen Geistlichen nach Deutschland und leitete dann das erwähnte Priesterseminar in Belgien. Inzwischen wurde im Vatikan der Seligsprechungsprozess eingeleitet; am 20. Dezember 2004 hat Papst Johannes Paul II. die Verehrungswürdigkeit seines Lebens bestätigt.