„Grüne“ und „Weiße“ – der Konflikt um Montenegros Weg in den südslawischen Staat

aus OWEP 4/2018  •  von Konrad Clewing

Dr. Konrad Clewing ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Leibnitz-Instituts für Ost- und Südosteuropaforschung (IOS) in Regensburg.

„Grün“ und „weiß“ sind Begriffe aus dem dramatischen Zeitabschnitt ab 1918, als es um Montenegros südslawische Zukunft ging. Zu der völligen Auflösung Montenegros trug zunächst die französische Regierung entscheidend bei. Sie hielt bei Kriegsende König Nikola I. in seinem Pariser Exil fest und sorgte auch dafür, dass entgegen einer Übereinkunft innerhalb der Entente außer deren Truppen im November 1918 serbische Verbände in Montenegro vormarschierten. Die serbischen Kräfte zogen dann die Fäden rund um eine „Volksversammlung“ in Podgorica, die vom 24. November an für einige Tage zusammenkam. Bei ihrem am gleichen Tag gefällten Beschluss wichtigsten Beschluss – die Absetzung des Königs5 und seiner Dynastie sowie der Anschluss an Serbien unter dessen Königshaus Karadjordjević mit anschließender Vereinigung im Staate der Serben, Kroaten und Slowenen – stimmten die Befürworter mit weißen, die dynastietreuen Gegner hingegen mit grünen Stimmkarten ab; so entstand der Name. Ein am orthodoxen Weihnachtsfest im Januar 1919 begonnener Aufstand der „Grünen“ kulminierte als Bürgerkrieg im gleichen Jahr und zog sich in zunehmend isolierten „grünen“ Guerillaaktionen noch bis 1924 und vereinzelt sogar bis 1929 hin.