Von hohen und höchsten Gipfeln: Der Pik Lenin

aus OWEP 1/2017  •  von Rudolf A. Mark

Prof. Dr. Rudolf A. Mark leitet die Professur für Geschichte Mittel- und Osteuropas an der Helmut-Schmidt-Universität der Bundeswehr in Hamburg.

Zusammenfassung

Nach der russischen Annexion Zentralasiens dienten die höchsten Berge des Pamirs dem Ruhm der Eroberer. Der Pik Lenin gehörte zu den vier Siebentausendern dieses Bergmassivs, die als Fels-Monumente den Sieg der Sowjetunion und ihrer Führer auf dem „Dach der Welt“ manifestieren sollten. Als die Geschichte über sie und die Sowjetunion hinweg gegangen war, kündeten die schneebedeckten Gipfel von neuen Namen und neuen politischen Aufbrüchen.

Der einst Pik Lenin benannte Berg liegt in Tadschikistan, einer ehemaligen Sowjetrepublik im Herzen Zentralasiens, nahe der Grenze zu Kirgistan. Gut die Hälfte des Landes erhebt sich mehr als 3.000 m über dem Meeresspiegel. Der östliche Teil, Berg-Badachschan, wird vom Pamir geformt, der ein wüstenähnliches Hochplateau mit einzelnen großen Gebirgsmassiven bildet, aus denen Siebentausender zum Himmel ragen – darunter im Transalai der Pik Lenin mit 7.134 m.

Der Pik Lenin war nicht der höchste Berg der Sowjetunion, und seine Erstbesteigung nicht die Tat sowjetischer Bergsteiger. Dafür konnten sich nämlich drei Berliner Alpinisten feiern lassen. Sie machten davon nicht viel Aufhebens, um ihren sowjetischen Bergkameraden allzu große Verlegenheit zu ersparen.

Blick auf den Pik Lenin vom Dorf Sary-Mogol/Kirgistan (Bildquelle: Nihongarden – Eigenes Werk – CC BY-SA 3.0, via Wikimedia Commons)

Der später als Pik Lenin bekannte Berg war als beeindruckendes Naturwunder schon 1871 von dem russischen Wissenschaftler-Paar Alexej Pawlowitsch und Olga Alexandrowna Fedtschenko entdeckt, beschrieben und nach dem ersten Generalgouverneur für Russisch- Turkestan Konstantin P. von Kaufman benannt worden. Die russischen Truppen hatten seit den 1860er Jahren große Teile der mittelasiatischen Khanate Kokand, Buchara und Chiwa erobert, die dem Zarenreich angegliedert wurden. Dabei spielte die wissenschaftliche Erschließung der annektierten Territorien eine wichtige Rolle. So folgten den Soldaten Forscher und interessierte Wissenschaftler wie das Ehepaar Fedtschenko, die vom Anblick des Transalai-Gebirgszug geradezu überwältigt waren. Mit den Worten des Naturwissenschaftlers: „Der schneebedeckte Gebirgskamm war wie eine Mauer, die sich vor mir in gut dreißig Werst1 Entfernung erstreckte. Ich hatte noch nicht das Gefühl, dass diese Berge für mich eine echte Mauer würden, hinter welcher ich nichts sehen könnte. Ich eilte hinunter, um in diese Berge einzudringen, und träumte davon, hinaufzusteigen zu jenen Stellen, wo die Imagination der Einheimischen das ‚Dach der Welt‘ verortet.“2 Fedtschenko sollte dies nicht erleben. Dafür erinnert der größte Berggletscher an den ersten europäischen Pamirforscher.

Der lange Weg zur Erstbesteigung des Pik Lenin

Unter den nichtrussischen Erforschern des Pamirs nimmt der aus Bremerhaven stammende Kunstsammler und Alpinist Willi Rickmer Rickmers einen prominenten Platz ein. Er bereiste seit 1894 nahezu regelmäßig Russisch-Turkestan, um kommerzielle und wissenschaftliche Erkundungen durchzuführen, die ihn zu Gletscherforschungen bis in den Pamir führten. 1913 gehörten er und seine Frau zudem der gemeinsamen Expedition des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins an, welche die westlichen und südlichen Teile des Pamirs erkundeten. Sie erklommen in den Sommermonaten jenes Jahres rund 30 Berggipfel und fotografierten aus der Ferne den heute als Pik Ismoil Somoni bekannten Siebentausender, den höchsten Gipfel Tadschikistans.

Der Pik Kaufman war kein Ziel der deutsch-österreichischen Pamir-Erkundung gewesen. Als vermeintlich höchster Berg fand er aber in der sich formierenden Sowjetunion bald Aufmerksamkeit.

Die Bolschewiki hatten sich im Bürgerkrieg gegen ihre inneren und äußeren Widersacher durchgesetzt und mussten nun ihren Staat aufbauen und konsolidieren. Das zaristische „Vielvölkergefängnis“ wurde durch eine Union Sozialistischer Sowjetrepubliken ersetzt, die nationalterritorial organisiert war. Unter ihnen besaß die Sowjetrepublik Tadschikistan für Moskau strategische Bedeutung. In Zentralasien wurde immer noch ein Partisanenkrieg mit den antibolschewistischen Basmatschi-Rebellen geführt, die von jenseits der Grenze Unterstützung erhielten. Daher war den roten Herrschern daran gelegen, die Pamir-Region zu sichern, d. h. territorial zu erschließen. Auch symbolisch konnte die Region in Anspruch genommen werden. Tadschikistan als Hochgebirgsland ergänzte den in der öffentlichen Wahrnehmung als von weiten Ebenen ohne Horizonte bestimmten Landescharakter Russlands um eine topographisch-ästhetische Dimension. Sie vermittelte den Eindruck von Mächtigkeit und Erhabenheit und markierte Moskaus Zugang zum „Dach der Welt.“

Reales sowjetisches Territorium wurde Tadschikistan durch landeskundliche Erforschung und nicht zuletzt durch touristische Erschließung. Der neue Mensch, der Sowjetmensch, sollte neue Wege gehen, neue Dimensionen des Menschseins und der gesellschaftlichen Organisation entwickeln, um dynamisch und entschlossen der Verwirklichung des Sozialismus näher zu kommen. Der Sport als bisher wenig verbreitete Freizeitbeschäftigung und auch der Alpinismus sollten zu einem sowjetischen Massenphänomen und Volksvergnügen werden, das man nicht mehr nur bürgerlichen Kreisen und ausländischen Hobbysportlern überlassen wollte. Diese Proletarisierung erforderte die Erkundung von Gletschern, Pässen und Gebirgen und den Aufbau einer entsprechenden Infrastruktur zur Etablierung eines „proletarischen Tourismus“ als Massenphänomen.

Forscher und Wissenschaftler waren nun aufgerufen, die letzten weißen Flecken auf den Landkarten zu beseitigen und so zum sozialistischen Aufbau beizutragen. Alpinistische Expeditionen erfreuten sich dabei besonderer Wertschätzung. Sie lieferten Journalisten und Filmemachern Stoffe und Bilder, die auf den Sowjetstaat als Musterprojekt der Moderne ein glänzendes Licht werfen sollten. Dabei kam es auf Helden, Zeichen und Symbole mit hohem Erkenntniswert an, wie sie durch Expeditionen auf das „Dach der Welt“ produziert wurden. Sie konnten sich zudem internationaler Aufmerksamkeit sicher sein.

1925 begann die Idee einer wissenschaftlichen Expedition zur Kartographierung der Alai- und Transalai-Gebirgsketten Gestalt anzunehmen. Es war die Zeit zahlreicher deutsch-sowjetischer Gemeinschaftsprojekte und wissenschaftlicher Kooperationen. In deren Rahmen fand auch die 1927 von der sowjetischen Regierung geförderte Pamir-Expedition statt, welche die sowjetische Akademie der Wissenschaften zusammen mit der Notgemeinschaft der Deutschen Wissenschaft in Berlin und dem Deutschen und Österreichischen Alpenverein durchführte. An ihr nahmen beiderseits je elf Fachleute teil. Willi Rickmer Rickmers und Professor Heinrich von Ficker, die auch bei der Pamir-Expedition 1913 mit von der Partie gewesen waren, leiteten die deutsche Gruppe. An der Spitze der sowjetischen Alpinisten stand der Parteifunktionär und nunmehrige Kanzleichef des Rates der Volkskommissare3 Nikolaj P. Gorbunow. Seine Teilnahme war Ausdruck der Wertschätzung, den die Sowjetregierung dem Gemeinschaftsunternehmen beimaß. Außerdem hatte der ehemalige Sekretär Wladimir I. Lenins eine Gruppe besonders engagierter Bolschewiki um sich versammelt, die nicht nur den sowjetischen Alpinismus propagieren sollten, sondern auch selbst das Vergnügen alpinistischer Selbstverwirklichung erfahren wollten.

Offizielles Ziel des Unternehmens war die Erstbesteigung des Pik Kaufman, der nun zum Pik Lenin erhoben wurde. Tatsächlich ging es Moskau aber um mehr, wie die Zusammensetzung der Expedition veranschaulicht. Der Kreis der Forscher wurde nämlich von vierzig einheimischen Helfern begleitet, die sich um 180 Pferde und siebzig Kamele zu kümmern hatten. Sie dienten als Reittiere und zum Transport der mitgeführten 8 Tonnen Gepäck und Ausrüstung. Dieser Tross sollte den Topographen, Geologen, Meteorologen, Linguisten, Zoologen und Botanikern helfen, nicht nur den Pik Lenin zu besteigen, sondern den größten Teil des nördlichen Pamir und des Alai-Gebirges bis zur chinesischen Grenze zu erforschen und zu kartographieren. Um keine unnötigen Verdächte und Befürchtungen hervorzurufen, war das Unternehmen nicht als Pamir-Expedition bezeichnet worden, was dessen ungeachtet dennoch jenseits der Grenze zu Vorsichtsmaßnahmen führte.

Wissenschaftlich betrachtet konnten sich die Ergebnisse der Expedition durchaus sehen lassen. Alle an ihr Beteiligten veröffentlichten Studien, Berichte und Fotos, um die bereiste Weltgegend einer breiten Öffentlichkeit nahe zu bringen.

Der Pik Lenin und andere Höhen

Lenin war nie im Pamir gewesen. Eine entsprechende Namensgebung für einen Berg im Transalai konnte daher keine persönliche Verbindung signalisieren. Aber nach seinem Tod 1924 wurde der Revolutionsführer und erste Regierungschef der UdSSR zu einer Überfigur hypostasiert und mythologisiert wie nach ihm nur Stalin. Leninplätze, Leninstraßen, Leninwerke usw. waren in jeder Stadt zu finden, von Statuen und architektonischen Monumenten ganz zu schweigen. Der so entstandene Leninkult verlangte geradezu, den vermeintlich höchsten Berg der Sowjetunion Lenin als dem Begründer des Arbeiter- und Bauernstaates zu widmen. Der Pik Lenin sollte als Fanal sowjetischer Herrschaft über Zentralasien wirken.

Damit nicht genug wurde von den sowjetischen Alpinisten um den Pik Lenin herum eine Art steinerner Olymp bolschewistischer Größen geschaffen. Die in seiner Nähe liegenden 6.000er wurden nämlich verstorbenen Mitarbeitern Lenins gewidmet: dem Gründer der bolschewistischen Geheimpolizei (Feliks) Dzerschinskij, dem Volkskommissar für Außenhandel (Leonid) Krasin und dem Vizevorsitzenden des Rats der Volkskommissare (Alexander) Zjurupa. Weitere Altbolschewiki wie (Jakob) Swerdlow und (Moisej) Wolodarskij folgten als Namensgeber. Bestiegen wurden die Berge aber nicht, sondern lediglich aus der Ferne benannt. Dies war wohl auch ein bewusster Bruch mit der bis dahin unter Alpinisten geltenden Praxis, dem Erstbesteiger eines Berggipfels die Namensgebung zu überlassen.

Die Erstbesteigung des Pik Lenin Während der Expedition war auch ein Film gedreht worden, der 1929 unter dem Titel „Schwelle des Todes“ in sowjetischen Lichtspielhäusern gezeigt wurde. Er traf auf wenig Begeisterung bei den Teilnehmern, die ihn als fragwürdiges Machwerk kritisierten, das unter anderem den Eindruck einer Besteigung des Pik Lenin vorgaukelte. Die Propaganda hatte nämlich der Wirklichkeit vorgegriffen und Filmmaterial verarbeitet, das bei Besteigungen, die nie bis zu den Gipfeln führten, aufgenommen worden war, „als Freundschaftsdienst für die russischen Kameraden vom Kino“4.

Auch auf den Pik Lenin war nur ein Teilanstieg gelungen. Gründe dafür gab es viele. Wie einer der Teilnehmer festhielt, war die „erste Schwierigkeit dabei …, daß es zunächst noch garnicht feststand, welcher Berg der höchste war; es war nicht einmal bekannt, in welcher Gebirgsgruppe er zu finden war. Die zweite Schwierigkeit war das Ausfindigmachen des besten Anmarschweges.“5 Die Expeditionsteilnehmer hatten wochenlang vergeblich nach einer geeigneten Route für die Erstbesteigung gesucht, schließlich aufgrund der vorgerückten Jahreszeit das Unterfangen abgebrochen und die Heimreise angetreten. Allerdings blieben einige Alpinisten zurück und versuchten die Erstbesteigung auf eigene Faust: Die Deutschen Eugen Allwein, Karl Wien und Erwin Schneider machten sich am 18. September 1928 auf den Weg und erreichten – nachdem sich zwischenzeitlich ihr russischer Kamerad Lew Perlin und zwei Träger verabschiedet hatten – am 25. September um 15.30 Uhr den Gipfel Pik Lenin. Er riss die Bergsteiger zu keinen Ausbrüchen gesteigerter Begeisterung hin. Der Gipfel, so Schneiders lapidare Beschreibung, „der von der Ferne gesehen einem Trapez gleicht, trägt auf seinem Haupte ein Firnfeld von 50 x 200 m Ausdehnung, aus dem an einzelnen Stellen der Fels herausragt. Auf dem mittleren, höchsten, ließen wir uns nieder und drückten uns kräftig die Hände.“6

Mehr schien auch nicht angebracht geschweige denn sinnvoll gewesen zu sein. Die Temperatur, „eine geradezu barbarische Affenkälte“, wurde nämlich auf minus 40°C geschätzt, was den raschen Abstieg der Bergsteiger nach wenigen Minuten erklärlich macht. Gleichwohl hatten sie sich schwere Erfrierungen an den Füßen zugezogen, als sie sich am 28. September wieder ihrem Standlager näherten. Der Pik Lenin war bezwungen.

Gipfel-Politik

Dass der Pik-Lenin der höchste Berg des Pamirs sei, war schon früh von den Forschern bezweifelt worden. Rickmer Rickmers hatte 1913 einen Berg im Akademie der Wissenschaften-Gebirgszug fotografiert, der bei den Einheimischen als Garmo (6.601) bekannt war und als höchster Berg infrage kommen konnte. Gleichzeitig wurde weiter nördlich ein als Pik Sandal bezeichneter Gipfel in Betracht gezogen. Die abweichenden Beobachtungen der Forscher lagen dabei zum einen an der Ungenauigkeit der von ihnen gebrauchten Karten, waren zum anderen aber auch Resultat der Wahrnehmung der Bergspitzen aus unterschiedlicher lokaler Perspektive. Wie schwierig die Annäherung war, wurde schon erwähnt.

Gelöst wurde die Gipfel-Frage erst nach der Auswertung der Expedition von 1928, als der Topograph Richard Finsterwalder nachgewiesen hatte, dass ein zweiter ebenfalls als Pik Garmo (7.495 m) bekannter Berg und nicht der Pik Lenin die höchste Erhebung des Pamirs und der Sowjetunion darstellten – vorerst zumindest. 1931 vermuteten nämlich Moskauer Forscher einen noch etwas höheren Berg, der nur schwer im Nebel der Akademiekette zu sehen gewesen war. Der neue Gipfel schien mit 7.660 m tatsächlich alle übrigen zu überragen und passte damit in die Zeit des die Sowjetgesellschaft erfassenden Personenkults um Stalin. Kein Wunder also, dass sich die führenden Alpinisten an die Staatsorgane wenden wollten „mit der Bitte um Erlaubnis, den neuen Gipfel Pik des Genossen Stalin zu nennen.“7

Ein Jahr später erhielt nun auch der Pik Lenin die Weihe der Erstbesteigung durch sowjetische Alpinisten. Inzwischen waren Verkehrswege in den bis dahin recht unzugänglichen Pamir gebaut und der sowjetische Hochgebirgsalpinismus erheblich entwickelt worden. Auch die Ausbildung der Roten Armee profitierte davon und konnte bald über gebirgstaugliche Soldaten verfügen. So machte sich 1934 eine Gruppe von Offizieren an den Aufstieg auf den Pik Lenin, wo sie nun endlich auch die Leninbüste aufstellen konnten – nachdem diese während der gesamten Expedition von 1929 vergeblich mitgetragen worden war.

Die höchsten Gipfel des Pamirs dienten in der Folgezeit auch zum Begehen wichtiger Ereignisse des sowjetischen State-Building. Als 1936 mit der so genannten Stalin-Verfassung der Aufbau der nationalterritorialen Struktur der UdSSR weitgehend abgeschlossen war, 1937 das Jubiläum der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution gefeiert wurde und nach den großen „Säuberungen“ des Staats- und Parteiapparats an der Alleinherrschaft Stalins keine Zweifel mehr aufkommen konnten, waren auch die Alpinisten gefordert, Höchstleistungen zur Würdigung der Sowjetmacht und ihres Führers zu zeigen. So wurden der Pik Lenin und der Pik Stalin noch einmal von den roten Gipfelstürmern genommen; außerdem gelang die Besteigung des Pik Korschenewskaja (7.105 m), der keinen Altbolschewiken rühmte. Er war 1910 nach der Frau des Pamirforschers Nikolaj L. Korschenewskij benannt worden. Dass die Erstbesteigung des Berges allerdings erst 1953 zum Abschluss kam, war den schwierigen Verhältnissen im Jubiläumsjahr geschuldet.

Die Leninbüste auf dem Gipfel des gleichnamigen Berges wurde in jenem Jahr von den erfolgreichen roten Alpinisten um ein Exemplar der Stalin-Verfassung ergänzt; und den Pik Stalin zierte seither auch ein Bildwerk des roten Führers. Allerdings blieb dies eher eine Episode. Denn infolge der Entstalinisierungspolitik Nikita Chruschtschows wurde der Berg 1962 in Pik Kommunismus umbenannt. Die ideologische Inanspruchnahme hielt weiter an, selbst als die Sowjetunion ihr unrühmliches Ende fand.

Das durch einen langjährigen Bürgerkrieg zerrüttete, aber unabhängige Tadschikistan schlug unter alter Führung einen neuen Weg ein. Seither soll die Rückbesinnung auf eine vermeintlich bessere Vergangenheit Orientierung und gesellschaftlichen Konsens herstellen. Die Wahl fiel auf die Herrschaft der Samaniden (9.-10. Jahrhundert). So wurde 1998 aus dem Berg des Kommunismus der Pik Ismoil Somoni, womit dem Begründer jener Dynastie ein massives Denkmal geschaffen wurde. Der Pik Lenin wurde gleichfalls umbenannt. Seit 2006 erinnert er an die Unabhängigkeit der ehemaligen Sowjetrepublik Tadschikistan.

Pik Lenin: 7.134 m hoch, gelegen im Transalai-Gebirge/Pamir, an der Grenze Tadschikistans zu Kirgistan. 1871 wurde der Berg von Alexej P. und Olga A. Fedtschenko nach Konstantin von Kaufman benannt, 1928 Erstbesteigung und Umbenennung in Pik Lenin, seit 2006 „Pik der Unabhängigkeit“.


Fußnoten:


  1. Ein Werst (russ. Längenmaß) = 1,066 km. ↩︎

  2. Zitiert nach: Pamir. Ot legend k znanijam (Pamir. Von Legenden zum Wissen); http://www.chakhma.narod.com/pamir/pamir.htm; letzter Zugriff: 28.10.2016 (Link mittlerweile inaktiv!). ↩︎

  3. Bezeichnung für die Regierung der Sowjetunion von 1923 bis 1946, danach: Ministerrat der UdSSR (Anmerkung d. Redaktion). ↩︎

  4. Zitiert nach Eva Maurer: Wege zum Pik Stalin. Sowjetische Alpinisten, 1928-1953. Zürich 2010, S. 122. ↩︎

  5. Erwin Schneider: Der Pik Lenin 7130 m. 25. September 1928. In: Jahresbericht des Akademischen Alpen-Vereins Berlin. Bd. XXV, 1928, S. 35. ↩︎

  6. Ebd., S. 40. ↩︎

  7. Zitiert nach Maurer, Wege (wie Anm. 4), S. 126. ↩︎