„Ost“ und „West“ in der Geschichte des europäischen Nationalismus

Martin Schulze Wessel, Jahrgang 1962, ist Osteuropahistoriker und Assistent am Institut für Geschichte der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg.

Seitdem der Nationalismus als Phänomen der modernen Geschichte untersucht wird, ist er oft zum Gegenstand von regional bezogenen Typologien geworden. Diesen Typologien lag die Annahme zugrunde, dass sich die Verlaufsformen und Ausprägungen des Nationalismus in der europäischen und außereuropäischen Geschichte nach geschichtsregionalen Gesichtspunkten unterteilen lassen. Die älteste typologische Unterscheidung, die in der Geschichtswissenschaft längst überholt ist, aber außerwissenschaftlich immer noch großen Einfluss hat, stammt von Hans Kohn und Louis L. Snyder.1 Sie unterteilt die Erscheinungsformen des Nationalismus in westliche und nicht-westliche. Vor allem von Snyder wurde diese Unterscheidung sehr pointiert.

Der in Frankreich, England, den Niederlanden und der Schweiz sowie den Staaten des britischen Commonwealth beheimatete „westliche Nationalismus“ sei dadurch gekennzeichnet, dass er im Rahmen eines bestehenden, auf mittelalterlichen Fundamenten beruhenden Staates entstand bzw. sich im Falle der USA mit der Staatswerdung parallel entwickelte. Auf diese Weise habe der Nationalismus im Westen ein ausschließlich politisches Gepräge angenommen und sich im „Kampf der Bevölkerung für Freiheit, Konstitutionalismus, Toleranz und für eine auf dem Rechtssystem begründete Gesellschaft von freien Staatsbürgern“2 manifestiert.

Der nicht-westliche Typus des Nationalismus entwickelte sich nach Snyder dagegen auf der Grundlage einer Nicht-Übereinstimmung von nationaler Bewegung und staatlichem Handlungsrahmen. Der Nationalismus sei als ein Protest gegen den bestehenden Staat erwacht und habe sich in Opposition gegen einen als fremd empfundenen Rationalismus und Liberalismus entwickelt. Der westlichen Vorstellung der Nation als Vereinigung von Staatsbürgern habe im nicht-westlichen Nationalismus die Vorstellung eines „irrationalen, vorbürgerlichen Volkes“ gegenübergestanden.

Diese Dichotomie eines westlichen und nicht-westlichen Nationalismus findet in der Nationalismusforschung heute keinen Anklang mehr. In der Tat richtet sich der „westliche“ Nationalismus keineswegs ausschließlich auf politische Ziele, sondern verfolgt auch das Programm einer kulturellen Homogenisierung, wie etwa das Beispiel der französischen Sprachenpolitik demonstriert. Auf der anderen Seite sind den „nicht-westlichen“ Nationalismen nicht politische Ziele abzusprechen. Dies gilt nicht nur für die national-emanzipatorischen Umbrüche seit den 1980er Jahren etwa in Polen, der Tschechoslowakei und Ungarn, sondern bereits für die Zeit des 19. Jahrhunderts. Auch wenn sich die Nationalbewegungen der Polen und der Ungarn nicht in bestehenden Nationalstaaten entwickelten, hatten sie doch einen politischen und staatlichen Bezug, da sie auf die Wiederherstellung von älteren, untergegangenen Staaten und die Herstellung von moderner Staatsbürgerlichkeit gerichtet waren. Selbst in Ländern, wo nur noch Rudimente einer früheren, eigenen Staatlichkeit vorhanden waren, wie in den böhmischen Ländern, war die Nationalbewegung keineswegs vorwiegend antiliberal.3

Neuere Nationalismustheorien verzichten daher ganz auf die Dichotomie „westlich“ vs. „nicht-westlich“ bzw. „westlich“ vs. „östlich“. Indessen hat sich seit Miroslav Hrochs großer Untersuchung über die „Vorkämpfer der nationalen Bewegungen bei den kleinen Völkern Europas“ die Unterscheidung zwischen dem Nationalismus „nicht-dominierender“ und „dominierender“ ethnischer Gruppen durchgesetzt. Hrochs Untersuchung richtet sich auf die „nicht-dominierenden“ Ethnien, die sich, sei es in Westeuropa, sei es in Osteuropa, als Nationalbewegungen ohne eigenen Staat etablierten.4 Dies betrifft für das lange 19. Jahrhundert, d.h. die Zeit zwischen den Teilungen Polens (1772 / 1792 / 1795) und dem Ende des Ersten Weltkriegs, fast alle Nationalbewegungen Ostmitteleuropas, aber auch einige Nationalbewegungen in Nord-, Süd- und Westeuropa, wie die Iren, die Norweger, die Flamen, die Schotten, die Katalanen und die Basken. Hrochs Nationalismusforschungen werden der Differenz zwischen verschiedenen geschichtsregionalen Ausprägungen des Nationalismus gerecht, indem sie frühe und spätere Erscheinungsformen des Nationalbewusstseins vergleichbar machen. Die Unterscheidung zwischen einer frühen Phase der Entwicklung des Nationalbewusstseins, in der die Nation von wenigen Philologen erst „entdeckt“ wurde (Phase A), einer Phase der Mobilisierung durch bestimmte Trägerschichten (Phase B) und der Phase der Massenmobilisierung (Phase C) ermöglicht es erst, über die zeitversetzt auftretenden Nationalismen komparativ zu sprechen.

Nationalismus und Staatlichkeit

Gerade in Bezug auf die Nationalbewegungen in Ostmitteleuropa, das hier im weiten Sinne als die Geschichtsregion zwischen Deutschland und Russland, also einschließlich Nordost- und Südosteuropas, verstanden werden soll, eröffnen die Forschungen Hrochs Differenzierungsmöglichkeiten, die sowohl in der Dichotomie Kohns und Snyders als auch in neueren Nationalismustheorien, die generalisierend von der „Erfindung der Nation“ sprechen5, nicht gegeben sind: Die Tatsache, dass die ostmitteleuropäischen Nationalbewegungen im 19. Jahrhundert sich im Rahmen „fremder“ Imperien (und nicht eines eigenen Staates) entfalteten, ist in Hrochs Forschungen ein geschichtswirksamer Faktor, der die ostmitteleuropäischen Nationalbewegungen sowohl von dem französischen und britischen Fall der Entwicklung von Nationalbewusstsein im eigenen Staat als auch von der mitteleuropäischen Form der Entwicklung von Nationalbewusstsein in einer Vielzahl eigener Staaten (wie in der deutschen und italienischen Nationalbewegung) unterscheidet. Bedeutsam aber ist vor allem, dass Hroch auch die Formen mittelalterlicher Staatlichkeit als Faktor der Binnendifferenzierung der modernen ostmitteleuropäischen Nationalbewegungen betrachtet.

Bekanntlich können einige ostmitteleuropäische moderne Nationen auf eine vergangene mittelalterliche und frühneuzeitliche Staatlichkeit zurückblicken, die erst im Zuge der Bildung von großen Imperien (Habsburg, Russland, Preußen) in Ostmitteleuropa zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert überformt oder zerstört wurden. Die Frage, ob eine staatliche Tradition bestand (wie bei den Polen, Ungarn, Tschechen, Kroaten, Serben u.a.) oder nicht (wie bei den Slowenen, Slowaken u.a.), ob eine alte Staatsform nur überformt (wie in Ungarn) oder weitgehend zerstört wurde (wie in den böhmischen Ländern) hatte weit reichende Folgen für die Bedingungen der Möglichkeiten einer Nationalbewegung. Alte, vormoderne Traditionen waren dabei in zweifacher Hinsicht für die modernen Nationalbewegungen relevant: Als realer Anknüpfungspunkt für politische Partizipationsforderungen, sofern Reste der alten Staatlichkeit (z.B. in der Form von Ständen) im 19. Jahrhundert noch existierten, und als Stoff für Traditionsbildungen, die in der entsprechenden Nationalbewegung einen Kanon von gemeinsamen Erzählungen, Werten und Symbolen hervorbrachte.6

Der Gegensatz von am Staat orientierten und am Volk orientierten Nationalbewegungen, der früher als ein Gegensatz zwischen westlichem und nicht-westlichem Nationalismus aufgefasst wurde, ist also durchaus innerhalb Ostmitteleuropas zu beobachten. Dabei waren aber auch die Nationalbewegungen, die über keinerlei staatliche Tradition verfügten und bei ihrer Traditionsfindung auf Mythisches verwiesen waren, keineswegs gegen das Ziel politischer Partizipation gerichtet. Vielmehr war das Ziel der Anerkennung einer bestimmten nationalen Gruppe als politischem Handlungsträger das verbindende Ziel aller Nationalbewegungen, gleichgültig, ob sich die konkreten Forderungen auf die Herstellung von staatlicher Unabhängigkeit oder von Autonomie bezogen oder noch unterhalb dieser Stufe blieben. Umgekehrt verzichteten selbstverständlich auch diejenigen Nationalbewegungen, die wie die Polen und die Ungarn im 19. Jahrhundert noch über eine wirksame staatliche Tradition bzw. über soziale Schichten mit politischer Praxis verfügten, keineswegs auf Symbolisierungen, die auf eine unpolitische, nur auf Kulturelles gegründete Einheit der Nation verwiesen.

Die Bedeutung der Konfession

Damit sind die generellen Aussagen, die sich über die ostmitteleuropäischen Nationalbewegungen machen lassen, bereits weitgehend erschöpft. Auf welche Trägergruppen diese sich stützten, wie schnell sie sich entwickelten und zu welchem Ergebnis sie führten, ist a priori oder nur mit dem Blick auf die historische Ausgangslage nicht zu beantworten. Selbst Sprach- oder Konfessionsunterschiede, die oft als „natürliche“ Trennungslinien zwischen verschiedenen Nationen in Ostmitteleuropa angesehen werden, waren oft nur Faktoren, die Nationalbewegungen in ihrem Abgrenzungsprozess beschleunigen konnten, sofern diese Unterschiede in bestimmten sozialen Konflikten virulent wurden. In Ostmitteleuropa mit seiner bis ins 19. Jahrhundert hinein hohen Inkongruenz von Sprache, Konfession und sozialer Schichtung waren aber die Voraussetzungen günstig, dass soziale Konflikte, etwa zwischen Gutsherren und Bauern, national relevant wurden. Dies war zum Beispiel der Fall, wenn in der Ukraine der sozialen Schichtung zwischen Gutsherrn und Bauern der Gegensatz „Polen, katholisch“ versus „Ukrainer, orthodox“ entsprach.7 Auch der kulturelle Gegensatz zu den Imperien, gegen die sich die Nationalbewegungen profilierten, war für deren Identität ein wesentlicher Faktor. So war die Ethnisierung des Katholizismus in Polen mit der Gleichung „Polak – katolik“ (Jeder Pole ist ein Katholik) ein Ergebnis des Gegensatzes zu dem orthodoxen Russland und dem protestantischen Preußen, die beide antikatholische Konfessionspolitik gezielt als Herrschaftstechnik einsetzten.8

Auch wenn konfessionelle Unterschiede keineswegs als „natürliche“ Abgrenzungen zwischen Nationen in Ostmitteleuropa gelten können, wird doch die Bedeutung von Religion und Kirche für die Nationswerdung noch weithin unterschätzt, jedenfalls zu wenig beleuchtet.9 In das Konzept der „national relevanten Interessengegensätze“ (Hroch) lassen sich die Geistlichen als eine der wichtigsten nationalen Trägerschichten in Ostmitteleuropa nur mit Mühe einordnen, vertraten sie doch keine vergleichbaren materiellen Erwerbsinteressen wie Gutsbesitzer, Bauern, Bürger oder Arbeiter.10 In vielen Nationalbewegungen traten die konfessionellen Konflikte als durchaus eigenständiger Faktor auf, der die Nationsbildung beförderte. Die Konfession wurde insbesondere dort zum Vehikel für die Nation, wo keine eigenständigen politischen, sondern nur kirchliche Strukturen existierten, in denen sich eine Nationalbewegung entwickeln konnte.11

Als sich 1918 für viele ostmitteleuropäische Nationalbewegungen die Möglichkeit der Gründung von Nationalstaaten eröffnete, war deren Proklamation überwiegend an historischen Gesichtspunkten orientiert. Das heißt, die Gründung einiger Nationalstaaten, wie Polen oder Ungarn, wurde als die (zum Teil unvollkommene) Wiederherstellung einer älteren Staatlichkeit angesehen. In einigen Fällen hatten die Nationalbewegungen dazu beigetragen, dass neue, traditionslose Staaten geschaffen wurden, wie durch die Gründung Estlands und Lettlands, die keine historischen Vorgänger hatten. Einen weiteren Typus bilden schließlich jene Nationalstaaten, die aus verschiedenen staatlichen bzw. nicht-staatlichen Traditionen und aus verschiedenen Nationalbewegungen synthetisiert wurden, wie die Tschechoslowakei, die aus den böhmischen Ländern und der Slowakei gebildet wurde, und Jugoslawien, in dem Serben, Kroaten, Bosnier und Slowenen fortan eine politische Nation bilden sollten.12

Kulturelle Homogenität und die Identität der Nation

So verschieden die Nationalstaaten der Zwischenkriegszeit im Hinblick auf ihre staatlichen Traditionen auch beschaffen waren, gemeinsam war ihnen die Konkurrenz zweier Tendenzen, die bereits in der Entwicklung der nationalen Bewegungen zu erkennen war: einerseits dem Bestreben nach der Herstellung von politischer Partizipation im Sinne von Massenbeteiligung an Politik und andererseits der Orientierung an einer Vorstellung kultureller Homogenität. Die Schaffung moderner Staatlichkeit mit dem Grundsatz der Rechtsegalität der Staatsbürger ging einher mit dem Selbstverständnis der neuen Nationalstaaten, sich kulturell auf einen bestimmten nationalen, homogenen Bestand an Werten und Symbolen zu stützen. In fast allen Staaten bestand aber diese kulturelle Homogenität wegen ethnischer und konfessioneller Differenzen im Staatsvolk nicht; dies galt nicht nur für die „synthetisierten“ Nationalstaaten wie Jugoslawien und die Tschechoslowakei, sondern auch für Nationalstaaten mit großen Minderheiten wie z.B. für Polen mit seinen ukrainischen, weißrussischen, deutschen und jüdischen Bevölkerungsgruppen.

Die Entwicklung hin zu autoritären Staatsformen in Ostmitteleuropa seit der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre nährte sich nicht zuletzt von dem Widerspruch, dass das Postulat der Rechtsgleichheit der Staatsbürger nicht mit den aus der Nationalbewegung herrührenden kulturellen Homogenitätsvorstellungen zusammenpasste. In dieser Situation lag es nahe, die kulturelle Identität der Nation in den Vordergrund zu stellen und auf der Grundlage von Kultur das „eigentliche“, kulturell homogene Staatsvolk neu zu schaffen.13 Der einzige Staat, der sich einer autoritären Tendenz in der Zwischenkriegszeit entziehen konnte, die Tschechoslowakei, war gerade ein „synthetisierter“ Nationalstaat, der sich auf die Zusammenführung von Tschechen und Slowaken zu einer politischen Staatsnation gründete, die gar nicht den Anspruch einer umfassenden kulturellen Homogenität erheben konnte. Für die relative demokratische Stabilität der Tschechoslowakei sind sicherlich eine Reihe von Gründen zu nennen. Bemerkenswert immerhin ist, dass die kulturelle Heterogenität der Staatsnation der „Tschechoslowaken“ nie ein existenzielles Problem für den Staat war, bis sie von NS-Deutschland 1939 zur Zerschlagung der ČSR instrumentalisiert wurde.

Es spricht einiges dafür, dass gerade kulturell heterogene Staatsnationen gegen die Versuchung der Schöpfung eines „eigentlichen“, kulturell begründeten Staatsvolkes und der entsprechenden kulturellen Marginalisierung oder Entrechtung anderer Staatsbürgergruppen eher gefeit sind als Staaten, die sich aus der Tradition einer einzigen Nationalbewegung und einer einzigen kulturellen Tradition herleiten. Wie immer die (sicher sehr verschiedenen) Gründe für den Zerfall der synthetischen Nationalstaaten Tschechoslowakei und Jugoslawien nach 1989 zu bewerten sind14, es kommt vor allem im fortschreitenden Zerfall Jugoslawiens eine dynamische Tendenz der Ethnisierung zum Ausdruck, die in den Nationalbewegungen im 19. Jahrhundert und in den Nationalstaaten der Zwischenkriegszeit zwar vorhanden, aber keineswegs dominant war.


Fußnoten:


  1. Hans Kohn: The Age of Nationalism. The First Era of Global History, New York 1962; ders.: Die Idee des Nationalismus. Ursprung und Geschichte bis zur Französischen Revolution, Frankfurt a.M. 1962; Louis L. Snyder: The Meaning of Nationalism, New Brunswick 1954. 

  2. Snyder, The Meaning of Nationalism, a.a.O., S. 118. 

  3. Zur Kritik des Konzepts von westlichem und nicht-westlichem Nationalismus im Hinblick auf die tschechische Geschichte siehe: Jiří Kořalka: Hans Kohns Dichotomie und die neuzeitliche Nationsbildung der Tschechen, in: Eva Schmidt-Hartmann (Hg.): Formen des nationalen Bewußtseins im Lichte zeitgenössischer Nationalismustheorien, München 1994, S. 263-276. 

  4. Miroslav Hroch: Die Vorkämpfer der nationalen Bewegungen bei den kleinen Völkern Europas, Praha 1968. Siehe jetzt: ders: V národním zájmu. Požadavky a cíle evropských národních hnutí devatenáctého století ve srovnávací perspektivě, Praha 1999. 

  5. Benedict Anderson: Imagined Communities. Reflections on the Origin and Spread of Nationalism, London 1983. 

  6. In diesem Sinne siehe auch: Walter Schlesinger: Entstehung der Nationen, in: H. Beumann, W. Schröder (Hg.): Nationes. Aspekte der Nationenbildung im Mittelalter, Sigmaringen 1978, S. 60. 

  7. Zum Begriff der „national relevanten sozialen Interessengegensätze“ siehe: M. Hroch: V národním zájmu, a.a.O. (wie Anm. 4), S. 114-140. Siehe zur Situation Ostmitteleuropas speziell auch: Werner Conze: Ethnogenese und Nationsbildung – Ostmitteleuropa als Beispiel, in: ders., Gesellschaft – Staat – Nation. Gesammelte Aufsätze, hg. v. Ulrich Engelhardt, Reinhart Koselleck und Wolfgang Schieder, Stuttgart 1992, S. 355-373. 

  8. Vgl. Martin Schulze Wessel: Die mächtepolitische Raison religiöser Intoleranz. Bismarcks „Kulturkampf“ im Kontext der preußisch-russischen Beziehungen, in: Churches – States – Nations in the Enlightenment and in the Nineteenth Century, hg. v. Mirosław Filipowicz, Lublin 2000, S. 261-269. Zygmund Zielinski: Kościół i narod w niewoli, Lublin 1995. 

  9. Siehe dazu demnächst: Martin Schulze Wessel (Hg.): Die Nationalisierung der Religion und die Sakralisierung der Nation in Ostmittel-, Nordost- und Südosteuropa. Als Forschungsüberblick vgl.: Ders., Religion – Gesellschaft – Nation. Anmerkungen zu Arbeitsfeldern und Perspektiven moderner Religionsgeschichte Osteuropas, in: Nordost-Archiv 7 (1998) (=Konfession und Nationalismus in Ostmitteleuropa. Kirchen und Glaubensgemeinschaften im 19. und 20. Jahrhundert), S. 353-364. 

  10. So konzipiert Hroch die Rolle der Geistlichkeit nur im Rahmen des Interessengegensatzes zwischen Gutsbesitzern und Bauern und spricht ihnen eine katalysierende Rolle in der Nationalbewegung zu, sofern sie sich auf die Seite der Bauern begaben. Vgl.: Hroch: V zájmu národa, a.a.O. (wie Anm. 4), S. 123. 

  11. Vgl. Emanuel Turczynski, Konfession und Nation. Zur Frühgeschichte der serbischen und rumänischen Nationsbildung, Düsseldorf 1976; Srečko Džaja, Konfessionalität und Nationalität Bosniens und der Herzegowina. Voremanzipatorische Phase 1463-1804, München 1984; Wolfgang Höpken, Konfession, territoriale Identität und nationales Bewußtsein. Die Muslime in Bosnien zwischen österreichisch-ungarischer Herrschaft und Zweitem Weltkrieg, in: E. Schmidt-Hartmann (Hg.): Formen, a.a.O. (wie Anm. 3), S. 233-254; Thomas Bremer, Ekklesiale Struktur und Ekklesiologie in der Serbischen Orthodoxen Kirche im 19. und 20. Jahrhundert, Würzburg 1992. 

  12. Vgl. Hans Lemberg: Der Versuch der Herstellung synthetischer Nationen im östlichen Europa im Lichte des Theorems vom nation.building, in: Schmidt-Hartmann (Hg.), Formen, a.a.O. (wie Anm. 3), S. 145-161. 

  13. Vgl. dazu in dem Zusammenhang von religiösem Fundamentalismus: Christoph Marx: Fundamentalismus und Nationalstaat, in: Geschichte und Gesellschaft 27 (2001), S. 87-117. 

  14. Aus der vielfältigen Literatur zum Nationalismus in Osteuropa nach 1989 siehe: Margarete Mommsen (Hg.): Nationalismus in Osteuropa. Gefahrvolle Wege in die Demokratie, München 1992; Margarditsch A. Hatschikjan, Peter R. Weilemann (Hg.): Nationalismen im Umbruch. Ethnizität, Staat und Politik im neuen Osteuropa, Köln 1995. Zur Bedeutung von Religion im Jugoslawien-Konflikt vgl.: Thomas Bremer (Hg.): Religion und Nation im Krieg auf dem Balkan. Beiträge des Treffens deutscher, kroatischer und serbischer Wissenschaftler vom 5. bis 9. April in Freising, Bonn 1996.