Europäische Kultur: Phantom oder Wirklichkeit?

aus OWEP 4/2001  •  von Hans Maier

Prof. em. Dr. Dr. h.c. mult. Hans Maier, langjähriger Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken und Kultusminister von Bayern a. D., ist Professor für Philosophie an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Die Wiedervereinigung Europas, seit 1989/90 in Gang und künftig mit der EU-Osterweiterung sich weiter intensivierend und vertiefend, hat Ost- und Westeuropa1 nach Jahrzehnten der Trennung wieder miteinander ins Gespräch gebracht. Dabei wurden zahlreiche Gemeinsamkeiten sichtbar; aber auch ausgeprägte Unterschiede traten hervor. Werden die Europäer in Zukunft ein gemeinsames Haus bewohnen – oder entsteht bestenfalls eine locker organisierte, nach unterschiedlichen nationalen Mustern angelegte Wohnsiedlung? Wird es so etwas geben wie eine gemeinsame europäische Kultur als tragendes Fundament für die einzelnen Staaten und Gesellschaften in Ost und West – oder ist diese europäische Kultur nur noch ein Stück Erinnerung, allenfalls ein Postulat für die Zukunft, wenn nicht gar ein kaum realistischer Wunschtraum?

Was ist das – Europa?

Europa war nie ein eigener Kontinent aufgrund geographischer Gegebenheiten. Seine Einheit verdankt es der Geschichte. Die Abgrenzung nach Osten und nach Süden hin war immer unscharf: räumlich ist Europa eine Halbinsel Asiens, geomorphologisch ist es eng mit Afrika verbunden. Üblicherweise zieht man die Grenze nach Osten vom Südfuß des Uralgebirges entlang der Nordküste des Kaspischen und der Ostküste des Asowschen Meeres bis zur Straße von Kertsch am Schwarzen Meer. Mit der Türkei und Russland ragen Staaten nach Europa hinein, deren Landmasse zum größeren Teil in Asien liegt.

Der Name Europa ist mythologischen Ursprungs. Nach der von Herodot überlieferten Sage wurde die phönikische Fürstentochter Europa von dem als Stier verkleideten Zeus aus ihrer Heimat nach Kreta entführt. Der wahrscheinlich auf vorgriechische Zeit zurückgehende Europamythos gelangte durch Isidor von Sevilla in die Schulbücher des Mittelalters. „Europa auf dem Stier“ wurde seit der Renaissance ein beliebtes Thema der Bildenden Kunst. Als abkürzendes Symbol für den zweitkleinsten Kontinent hat sich das Bild bis in die Gegenwart hinein erhalten.2

Mit der Sage von Europa verbinden sich schon im Altertum geographische Vorstellungen.3 Die Spaltung der Ökumene in die als Inseln vorgestellten Teile Asien und Europa findet sich schon in der ionischen Kartographie des 6. Jahrhunderts vor Christus. In der christlichen Zeit treten biblische Ideen der Völkerherkunft und Weltverteilung hinzu. Um 400 nach Christus erscheint der Europabegriff als Bezeichnung der nördlichen römischen Reichsteile am Mittelmeer im Gegensatz zu Asien und Afrika. In Frankreich umschreibt er den von christlichen Völkern bewohnten, durch die örtlichen Heiligen kenntlich gemachten nordalpinen Raum. Die Jafet-Historie (Gen 9 und 10) wird seit dem 7. Jahrhundert auf Europa hin gedeutet: Ham erhielt von Noah Afrika, Sem Asien und Jafet Europa.

Für die Begegnung und Entfaltung von Menschen und Völkern bot Europa von Anfang an günstige äußere Bedingungen. Extreme Klimaunterschiede waren hier ebenso unbekannt wie ausgedehnte Wüsten, Steppen und Ödländer. Besonders der Süden, Norden und Westen waren reich gegliedert: kaum ein anderer Teil der Erde besaß eine so lange Küstenstrecke und stand mit dem Meer in so enger Verbindung. Erzeugnisse verschiedenster Art aus unterschiedlichen geographisch-klimatischen Zonen verwiesen die Menschen auf Austausch, Handel, arbeitsteilige Kooperation. Die Bevölkerungsdichte war immer hoch. Eine Fülle von Völkern lebte in Europa auf engem Raum beieinander. Dies alles trug dazu bei, dass der europäische Kontinent in einem langsamen, Jahrhunderte dauernden Prozess zum Zentrum von Wissenschaft, Wirtschaft, Zivilisation wurde – zu jenem Teil der Erde, in dem sich „auf engstem Raum die höchste Kraft des Völkerlebens“ zusammendrängte (W. Schulz).

Diese Entwicklung war vorbereitet in den mittelmeerischen Kulturen der Antike. Schon damals begann sich – trotz engem räumlichen Zusammenhang – „Orient“ und „Okzident“ als etwas Verschiedenes zu empfinden. In den „Persern“ des Aischylos werden die Griechen den Persern mit den Worten vorgestellt: „Keines Menschen Knechte sind sie, keinem Menschen untertan.“ Und bei Herodot erregt Solon das Erstaunen des Lyderkönigs Krösus, weil er den Nahen Osten „philosophierend“, also allein zum Zweck der Erkenntnis, bereist. Hier werden Grundzüge des europäischen Zugangs zur Welt sichtbar: politisch in der Freiheit gleichberechtigter Menschen (im Unterschied zu Herrschaft und Knechtschaft in orientalischen Reichen) und philosophisch im freien Erkunden und Wissenwollen (im Gegensatz zu östlicher Weisheit und Versenkung). Das reicht bis in unterschiedliche Körperhaltungen hinein: auf der einen Seite das forschende, erfahrende Unterwegssein, auf der anderen die Meditation und das regungslos gesammelte Sitzen (K. Löwith). Von daher gilt als europäisch eine Lebensordnung, die getragen wird von beweglichen, erfinderischen, anpassungsfähigen Menschen, die bestimmt ist von Entdeckungsfreude und rationalem Zugriff auf die Welt; der die Individualität mehr bedeutet als die Masse, die Freiheit mehr als die Macht.

In den äußeren Verhältnissen Europas, aber noch mehr in der inneren Haltung der Europäer liegt es begründet, dass sich Europa immer wieder gegen Versuche der Fremdbestimmung, der Unterwerfung von außen behauptet hat.4 Im Lauf der Jahrhunderte setzte es sich erfolgreich gegen zahlreiche Eroberer aus dem Osten und Südosten (Perser, Hunnen, Mongolen, Türken) zur Wehr. Aber auch Hegemoniebildungen im Inneren waren in Europa nie von Dauer: das gilt sowohl für die Ansätze einer spanisch-deutschen Weltmacht im 16. Jahrhundert wie später für die Eroberungen Ludwigs XIV., der Französischen Revolution und Napoleons – von den tönernen Reichen Mussolinis, Hitlers, Stalins im 20. Jahrhundert nicht zu reden. Auch das Römische Reich und seine fränkischen und deutschen Fortsetzungen haben dauerhafte Traditionen nur begründet, soweit sie – über die bloße Machtausübung hinaus – Rechtsordnungen und Formen zivilisierten Lebens zu schaffen verstanden. Die europäische Staatenwelt war stets pluralistischer und vielgliedriger als die der byzantinischen, mongolischen, osmanischen und großrussischen Nachbarn. Neben Großreichen und Nationen haben im europäischen politischen Haushalt immer auch kleine Länder, Stadtstaaten, föderative Gebilde eine Rolle gespielt. Kleinräumigkeit ist ein typisches Merkmal europäischen Lebens. „Alles Kolossale und Uniforme ist eindeutig uneuropäisch, und das ist das Geheimnis aller Verfeinerung und aller Eigenart europäischer Zivilisation“ (O. Halecki).

Bis zum Ersten Weltkrieg war das europäische Staatensystem das Zentrum der Weltpolitik. Neben den europäischen Mächten galten nur die USA und Japan als Großmächte. Das änderte sich nach 1918. Mit dem revolutionären Russland und dem demokratisch-missionarischen Amerika (Th. W. Wilson: „To make the world safe for democracy“) traten die Erben Europas in die Weltgeschichte ein. Dann zerstörten die Politik Hitlers und Stalins und der Zweite Weltkrieg das verhängnisvoll geschwächte Europa gänzlich. Es wurde nach 1945 erstmals in seiner Geschichte geteilt und verlor für längere Zeit seine politische Handlungsfähigkeit. Im Ost-West-Konflikt ging die Grenze zwischen den Blöcken mitten durch Europa hindurch, während sich Asien und Afrika endgültig von der europäischen Vorherrschaft freimachten und die Kolonialreiche der Engländer, Franzosen, Niederländer, Belgier und Portugiesen sich aufzulösen begannen.

Freilich, nicht einmal diese lange Schwächeperiode hat die politisch-geistige Dynamik Europas brechen können. Im Westen kamen seit 1951 auf Initiative von Robert Schuman, Konrad Adenauer und Alcide De Gasperi Prozesse wirtschaftlicher und später politischer Zusammenarbeit in Gang: Montanunion, Europäische Wirtschaftsgemeinschaft, EURATOM.5 1967 entstand aus der Fusion der drei Gemeinschaften die „Europäische Gemeinschaft“ (EG), gefolgt von einer Teilexekutive (Ministerrat und Kommission), einem Europäischen Gerichtshof und einem – seit 1979 von den Völkern direkt gewählten – Parlament mit vorerst bruchstückhaften, jedoch allmählich wachsenden Zuständigkeiten. Ende 1992 war der Europäische Binnenmarkt vollendet, in den neunziger Jahren wurden mit den Verträgen von Maastricht und Amsterdam die ersten verbindlichen Baupläne für ein „Europäisches Haus“ entwickelt. Die Europäische Gemeinschaft wurde zur Europäischen Union (EU). Diese Entwicklung verband sich seit den achtziger Jahren mit den von Polen ausgehenden Freiheitsbewegungen in Mittel- und Osteuropa, die in den Jahren 1989-1991 zum Sturz der kommunistischen Herrschaft und zur Auflösung der Sowjetunion führten.6 Damit war die durch die weltpolitischen Polarisierungen herbeigeführte Teilung Europas beendet, und es bot sich auch für den Osten Europas die Chance einer übernationalen Zusammenarbeit und einer wirtschaftlichen und politischen Integration. Freilich ist ein Zustand eigenständiger politischer Handlungsfähigkeit trotz vielversprechender Ansätze – WEU, KSZE und OSZE, Menschenrechtskonventionen usw. – bis zur Stunde weder in Westeuropa noch in Osteuropa erreicht. Die „Gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik“ (GASP) und die „Schnelle Eingreiftruppe“ als ihr wichtigstes Instrument (geplant für 2003) befinden sich noch in der Entwicklung, und die „Hohe Persönlichkeit“, die beides repräsentieren soll (J. Solana), ist einstweilen ein König ohne Land.

Gibt es eine europäische Kultur?

Immer wieder wird gefragt, worauf denn die Identität Europas beruhe. Gewiss nicht auf politischen Strukturen; denn obwohl die Trennung in Ost und West der Vergangenheit angehört und die Europäische Union zumindest im Westen, Süden und Norden dauerhafte Formen der Zusammenarbeit entwickelt hat, verfügt Europa (noch) nicht über Instrumente, die ein gemeinsames politisches Handeln gewährleisten. Im „Europa der Vaterländer“ ist der zentrale Kern der Politik noch ohne feste, verdichtete Form. Schon eher zeigt sich ein Stück europäischer Identität im Prozess wirtschaftlicher Integration. Nicht zufällig ist das sichtbarste Zeichen der europäischen Einigung der EURO – und eben nicht die europäische Armee. Aber das wichtigste Element europäischer Identität ist doch die Kultur. Jean Monnet soll gesagt haben: Wenn er nochmals mit dem Werk der Einigung zu beginnen hätte, würde er mit der Kultur anfangen.7

Doch was ist europäische Kultur? Sie ist nicht auf einen einfachen und schon gar nicht auf einen einzigen Nenner zu bringen Ihr Kennzeichen ist Vielgestaltigkeit, nicht Uniformität. Es gibt in Europa nicht eine Sprache, eine Denk- und Lebensweise, einen kulturellen way of life. Es gibt viele. Man muss den Begriff „europäische Kultur“ differenzieren. Sehr vorläufig könnte man unterscheiden zwischen dem, was sich in Europa im Laufe von Jahrhunderten an Kultur herausgebildet und von da in die ganze Welt verbreitet hat (sodass es heute nichts mehr spezifisch Europäisches darstellt!), und dem, was sich in der Gegenwart in und gegenüber der globalisierten Welt als „europäische Kultur“ neu zu artikulieren beginnt:

  • Im ersten Fall haben europäische Anstöße die Welt verändert, getrennte Kulturen verschmolzen und an Stelle der Geschichten der kontinentalen Völker eine „Weltgeschichte Europas“ geschaffen.
  • Im zweiten Fall führt die weltweite Vernetzung von Politik, Wirtschaft und Kultur dazu, dass einige Elemente europäischer Kultur, die in die Globalisierung nicht einfach eingehen, bewusster und deutlicher in ihrer Eigenart hervortreten.

Zum ersten Fall: Zweifellos wurden in Europa wichtige Pilotprogramme für die moderne Welt entwickelt. Viele Rationalitätsstrukturen der globalen One World haben hier ihren Ursprung. Der beherrschende Zugriff des Menschen auf die Natur, der Schritt von der gärtnerisch-pflegenden Agrikultur zur „Kultur“ als einem Werk bewusster Veränderung und Neugestaltung, die Entwicklung von Fernhandel, Technik, serieller Produktion, die Entstehung einer Wissenschafts-, aber auch einer Gedächtniskultur – dies alles ist europäisch. Weltweit messen und gliedern wir Zeit und Raum mit Maßen, die in Europa (z. T. aus älteren jüdischen und vorderasiatischen Quellen) entwickelt und eingeschliffen wurden: Tag, Stunde, Woche, Monat, Zeitrechnung und Datierung – die dezimalisierten Raummaße (das Urmeter in Paris!). Das „Projekt Moderne“ könnte man in einer Kurzfassung so umschreiben: Herrschaft über Raum und Zeit, Zähmung der Natur, Entfaltung individueller Freiheit. Es hat ein weltweites Echo gefunden; sein Siegeszug ist noch keineswegs zu Ende.

Aber auch spezifische politische Strukturen sind aus dem europäischen Experiment hervorgegangen. Für die „rechte Ordnung“ in der Christenheit war Europa der erste Versuchs- und Erprobungsort.8 Die christliche Tradition gab nicht nur die Natur in die Hände der Menschen, sie befreite die Menschen auch vom Druck der antiken religiös-politischen Einheitskultur. Der moderne Dualismus von Staat und Kirche (politischer und Gewissenssphäre) trat ans Licht, übrigens lange vor der Aufklärung: bei Augustinus, in der mittelalterlichen Zweigewaltenlehre, im Investiturstreit, im ersten Konkordat der Weltgeschichte (Wormser Konkordat von 1122). Staunend entdeckte man, dass man in der einen Christenheit in zwei Rechtskreisen lebte, die einander gegenüberstanden, miteinander paktieren, aber auch miteinander streiten konnten. Die Welt schwang nicht mehr um eine einzige Achse. Politik wurde aus einem übermächtigen Schicksal zu einer menschlichen, immer neu zu lösenden Aufgabe: zu Menschenwerk.

In Europa entwickelte sich eine bis heute wirksame verbindliche Rechtskultur9 – beruhend auf christlichen Überlieferungen und auf der Formkraft des Römischen Rechts. Historisch trat sie vor allem als Gegengewicht zu staatlicher und nationaler Machtentfaltung, als Bändigung emotionaler Leidenschaften, als Beitrag zu friedlicher Verstetigung der Politik hervor. Die Macht von Faust und Fehde wurde begrenzt; es entstanden dauerhafte Friedensordnungen und Ansätze eines gemeinsamen Rechts (Verbot der Tötung von Kriegsgefangenen, Ebenbürtigkeit der Monarchen und Staaten, beginnende Integrität der territorialen Einheiten usw.).

Trotz gemeinsamer Prägungen (Rittertum) und gemeinsamer Unternehmungen (Kreuzzüge) blieb das christlich gewordene Europa in sich spannungsreich; es verfestigte sich weder zu einer Theokratie, noch erstarrte es in byzantinischen Formen des Cäsaropapismus. Aus dem mittelalterlichen Kampf der Universalgewalten ging kein neues „Drittes Rom“ hervor; vielmehr wurden die modernen Völker und Staaten zu Erben des römischen Universalismus. In der europäischen Staatengemeinschaft, die sich im späten Mittelalter bildete, kann man bereits die Umrisse der modernen National- und Mehrvölkerstaaten erkennen.10 Die europäische Ausbreitung über die Welt wird von Nationen getragen und vorangetrieben (Portugiesen, Spaniern, Engländern, Niederländern, Franzosen), wobei sich Motive der Mission, der Suche nach einem Reich im Osten, der Entdeckungs- und Eroberungslust, der Gold- und Herrschgier überlagern.11 So entstand ein durch Verkehr und Handel verbundener europäisch-atlantischer Raum: der Atlantik wurde aus dem gefahrendrohenden Okeanos des Mittelalters zu einem vertrauten europäischen Binnenmeer.

Das neuere Europa ist von der christlichen Tradition geprägt, jedoch in Konfessionen gespalten; es bildet eine Zivilisationsgemeinschaft, die jedoch immer wieder durch Staatenrivalitäten und -kriege erschüttert wird; es bildet ein zunehmend einheitliches („europazentrisches“) Geschichtsbild, ein „Recht der zivilisierten Staaten“ und eine gemeinsame europäische Rationalität und Technik aus – doch es weckt in den unterworfenen Völkern der Welt zugleich auch den Wunsch nach Befreiung und Selbstbestimmung. Auf dem Weg der Kolonisierung, der Ausbreitung der europäischen Zivilisation, des diplomatischen Verkehrs, des internationalen Rechts entsteht im Lauf der neueren Jahrhunderte ein Weltstaatensystem, in dem die Dynamik Europas globale, den ganzen Erdkreis umspannende Dynamik gewinnt. Während die älteren Reiche in historischen Sackgassen enden, beginnt mit der europäischen – und später internationalen – Staatengemeinschaft ein Prozess universeller Verflechtung der Völker und Nationen. Was wir heute Globalisierung nennen – die Entstehung eines Weltmarkts der Kommunikation, des Verkehrs, des Handels und der Kapitalströme –, ist nur der Endpunkt dieser Entwicklung.

Freilich entstehen mit dem Ende der „Europäisierung der Welt“ neue Probleme, die auf den Alten Kontinent zurückwirken. Beginnt nach der Expansion Europas in die Welt die „Selbsteuropäisierung der Europäer“? Wird die europäische Kultur – nachdem sie der Welt ihr Gesetz aufgezwungen hat – ihrerseits zum Gegenentwurf einer globalisierten Welt?

Zum zweiten Fall: Globalisierung – das bedeutet, dass es „den Osten“, aber auch „den Westen“ im alten Sinne nicht mehr gibt. An die Stelle einer bipolaren ist eine multipolare Welt getreten. Neben der einzigen verbliebenen Weltmacht, den USA, treten andere Machtbildungen hervor: China, Japan, Indien, die arabische Welt – und nicht zuletzt Europa. Während in den USA die alte „globale Dynamik“ noch keineswegs erschöpft ist – Symbol ist die von dort ausgehende Computerrevolution –, stößt sie in Europa zunehmend auf Widerstände und Bedenken. Die Liste der transatlantischen Konflikte ist schon heute bestürzend lang: vom Kyoto-Protokoll bis zum Atomteststoppvertrag, vom Internationalen Strafgerichtshof bis zum Verbot von Biowaffen, von der Kontrolle von Kleinwaffen und Landminen bis zu unterschiedlichen Meinungen über Todesstrafe, Integration von Minderheiten, das staatliche Bildungssystem, den Sozialstaat. Zwar kann man nicht von einer ernstlichen Entfremdung zwischen Europa und Amerika reden. Die Schnittmenge gemeinsamer Interessen ist nach wie vor groß und wird es bleiben. Aber unterschiedliche Akzente zeichnen sich doch deutlich ab: in den USA eine Kultur, die vor allem auf die eigene Kraft setzt und multilaterale Verträge dann ablehnt, wenn sie die nationale Selbstentfaltung begrenzen – in Europa eine Kultur, die stärker an Gemeinsamkeiten, solidarischen Verpflichtungen orientiert ist und Fortschritte vor allem von internationalen Vereinbarungen, Hilfen, Ausgleichsmaßnahmen erwartet.12

Im transatlantischen Dialog zwischen Europäern und Amerikanern treten heute jene Eigenarten europäischer Kultur hervor, die nicht – oder nur teilweise – ins Spiel der „Globalisierung“ eingegangen sind. Die heimischen Widerlager der europäischen Expansionsdynamik werden sichtbar: Kleinräumigkeit, zähes Festhalten an Traditionen, die Wertschätzung des Verschiedenen, die friedenschaffende Kraft von Rechts- und Sozialstaatlichkeit, die Bedeutung einer allen gemeinsamen (im Zweifel kostenlos zugänglichen) staatsbürgerlichen Grundbildung und anderes mehr. Europa hat die Dynamik des Marktes einer Ordnung unterworfen (durchaus im Sinn des Wettbewerbs, der ja u. U. einer rigiden Kartellgesetzgebung bedarf, um nicht von den stärksten und schnellsten Händen zur Farce gemacht zu werden!). Die „Ordo-Liberalen“ der vierziger und fünfziger Jahre (Eucken, Monnet, Röpke, Müller-Armack) wollten nicht mit den „Paläo-Liberalen“ des 19. Jahrhunderts verwechselt werden. Sozialpolitik war ein unentbehrlicher Teil der Ökonomie. „Marktwirtschaft ohne Attribute“ wäre als Zynismus empfunden worden. „Jenseits von Angebot und Nachfrage“ hieß ein erfolgreiches Buch aus den Anfängen der „Sozialen Marktwirtschaft“. Von dem mit Elementen der „guten Ordnung“ gesättigten europäischen Begriff von Ökonomie und Politik hat man sagen können, er liege „jenseits des Dschungels des Marktes und diesseits des totalitären Zoos“ (J. Semprun).13

Ist das alles Vergangenheit? Oder wird es in den nächsten Jahren erneut Früchte tragen? Wird die „andere Seite“ Europas Gewicht und internationale Ausstrahlung gewinnen? Das ist im Augenblick noch eine offene Frage. Nötig wäre es gewiss. Es käme darauf an, der Einen Welt ein wenig Selbstreflexion, Selbstkritik, Selbstzweifel einzuflößen, dem einlinigen Fortschrittsparadigma ein Pro et Contra, ein Sic et Non gegenüberzustellen. Wie entwickelt man – jenseits der notwendigen Abwehr von Gewalt – einen Dialog zwischen Globalisierungsfreunden und Globalisierungsgegnern? Wie gleicht man nationale und internationale Ansprüche aus: „Effizienz der Produktion gegen sozialen Zusammenhalt, Wirtschaftswachstum gegen Umweltschutz, globalisierte Institutionen gegen lokale Kontrolle, nationale Souveränität gegen Völkerrecht? Hier haben die USA nichts Neues zu bieten – im Gegenteil, ihre eigentümlichen Traditionen hindern sie mehr und mehr daran, überhaupt noch Nützliches beizusteuern.“14 Das alte Europa jedoch müsste in diesem Streit – der sich in den nächsten Jahren noch verschärfen dürfte! – seine Stimme erheben. Schließlich hat es immer in veränderten Lagen neue, oft überraschende Lösungen gefunden. Europa war immer ein „lernender Kontinent“.15

Die religiöse Dimension

Welchen Anteil haben christliche Ideen, christliche Kräfte an diesem Prozess der „Selbsteuropäisierung Europas“? Ist der christliche Einschlag im Gewebe des alten Kontinents noch spürbar, ist er im Verblassen, wird er wiederkommen?

Das Zusammengehörigkeitsgefühl der europäischen Völker gründet in Erfahrungen einer gemeinsamen Geschichte, einer gemeinsamen christlichen Erziehung. Klöster und Kathedralschulen schufen eine ganz Europa formende Bildungstradition. Schola und Clericus wurden Grundworte für Schule und Gebildete in vielen europäischen Sprachen. Die Universität als Vereinigung aller Wissenschaften, als „Hohe Schule“ für intellektuelle Berufe erwuchs im christlichen Europa. Gebetsverbrüderungen, gemeinsame Feste, christlicher Kalender und christliche Zeitrechnung und nicht zuletzt die „leise integrierende“ Wirkung der römischen Liturgie (G. Tellenbach) – dies alles ließ einen europäischen Kulturraum entstehen, der geprägt wurde von der Botschaft des Christentums, der sich immer wieder herausfordern ließ von antiken Überlieferungen der Poesie und Philosophie und der auf der Grundlage des Lateinischen (im Osten des Griechischen und Kirchenslawischen) eine Fülle nationaler Literaturen hervorbrachte.

Davon ist heute vieles verblasst, im Westen wie im Osten. Wir müssen nüchtern unterscheiden und fragen: Was kann noch auf allgemeine Anerkennung rechnen? Was kann wieder lebendig gemacht werden? Der Streit um den Namen Gottes, um die Religion in der Grundrechtscharta der Europäischen Union hat gezeigt, dass eine Übereinkunft über die religiöse Dimension im Menschenbild, in Verfassung und Erziehung Europas zumindest gegenwärtig kaum zu erreichen ist.16 Allenfalls wird man sich auf Minima eines europäischen Bildungsbegriffs einigen, auf die Bedeutung von Griechentum, Römertum, jüdisch-christlicher Tradition für das Werden Europas; auf die Rationalität des Humanismus und der Aufklärung; auf die auf Gleichberechtigung, Freiheit und Solidarität beruhende Demokratie; auf den Ausgleich zwischen Reich und Arm, Natur und Technik, Kapital und Arbeit. Wer konkreter werden will, ist auf nationale und regionale Artikulationsfelder verwiesen. In der Europäischen Union sind die christlichen Grundwerte der europäischen Tradition mehr implizit als explizit vorhanden – sie zu explizieren würde eher Streit hervorrufen und die vorhandenen Gemeinsamkeiten gefährden.

Freilich sind die christlichen Kirchen Europas gegenwärtig auch nicht in einem Zustand, der die politischen Instanzen zwänge, der Auseinandersetzung mit dem christlichen Erbe Priorität einzuräumen. Seit den Ereignissen von 1989/90 leben alle christlichen Konfessionen im wiedervereinigten Europa unter den Bedingungen der Religionsfreiheit; die lange Kette der Religionsverfolgungen durch totalitäre Regime im 20. Jahrhundert scheint beendet zu sein; die Kirchen müssen sich nicht mehr der Konkurrenz „politischer Religionen“ erwehren. Aber das „größere Europa“ hat für die Kirchen in Ost und West auch neue Herausforderungen gebracht: sie müssen sich aufs neue ihrer Identität versichern, auch im Verhältnis zu Nation und Staat; die ökumenische Zusammenarbeit muss auf neue Fundamente gestellt werden; und die Auseinandersetzung mit der säkularen Kultur und mit den Widersprüchen des Säkularismus hat sich an vielen Orten verschärft.17 Die christlichen Kirchen sind aufgefordert, stärker als bisher in europäischen Kategorien zu denken und im Dialog miteinander neue Konzepte der Mission, der Evangelisierung zu entwickeln, die der Gefahr des Glaubensschwundes entgegenwirken.

Der Wegfall der bevormundenden Staatsaufsicht hat die orthodoxen Kirchen Russlands, Serbiens, Rumäniens, Bulgariens ihrer grundlegenden Bestimmung zurückgegeben, aber auch manche Unsicherheiten hervorgerufen. Denn angesichts der noch wenig ausgeprägten panorthodoxen Gemeinsamkeiten ist die privilegierte Verbindung mit Volk und Nation in der Orthodoxie noch immer die Hauptklammer des Zusammenhalts. Die Konkurrenz anderer Religionen und Konfessionen auf dem gleichen („kanonischen“) Territorium wird vielfach als unerlaubte „Christenmission“ und „Proselytenmacherei“ empfunden. Nicht selten begegnet westlichen Christen hier ein ausgeprägter religiös motivierter Nationalismus, oft gepaart mit deutlicher Ablehnung westlicher Werte. Auch hat die Selbständigkeit der Kirche gegenüber dem Staat geringeres Gewicht als im Westen; eher wirken alte Modelle der „Symphonisierung“ von Staat und Kirche weiter.

Der Protestantismus hat durch die deutsche Wiedervereinigung seinen alten Schwerpunkt in den Ursprungsländern der Reformation zurückgewonnen. Er ist jedoch in Gesamteuropa in die Minderheit geraten.18 So hat er die alten Verbindungen mit den protestantischen Kirchen des Nordens und Westens, mit den USA und der Dritten Welt neubelebt. Zu seinem Profil gehört das besonders in Deutschland treu bewahrte Luthererbe ebenso wie die auf Calvin und auf angelsächsische Anstöße zurückgehenden Traditionen des Widerstands und der politischen Demokratie.

Auch im europäischen Katholizismus sind divergierende Kräfte wirksam: ein stärker volkskirchliches Element in Ländern wie Polen, Litauen, Kroatien, Slowenien, der Slowakei, Irland – in blasserer Form auch in Spanien und Italien; eine an Wissenschaft und Literatur orientierte Intellektualität wie in den französischen Eliten; die Erfahrung langen Zusammenlebens mit dem Protestantismus in Deutschland, den Benelux-Staaten, Großbritannien; endlich die noch immer zuwenig ins allgemeine Bewusstsein gedrungene Eigenart der mit Rom Unierten in Ostpolen und der Westukraine, bei denen sich ostkirchliche Form und römisches Selbstverständnis verbinden.

Fazit: eine einheitliche europäische Religion gibt es ebensowenig wie eine einheitliche europäische Kultur. Beides existiert nur im Fragment – in bruchstückhaften, zusammengesetzten Formen. Doch auch das Fragmentarische kann in einer multipolaren Welt Anziehungskraft und Bedeutung gewinnen. Voraussetzung ist freilich, dass jeder Teil seine Unvollständigkeit, seine Ergänzungsbedürftigkeit zu spüren beginnt.

In diesem Sinn hätten West- und Osteuropa auch kirchlich voneinander zu lernen. Beide haben wichtige Botschaften zu vermitteln; beide sind aber auch ergänzungsbedürftig. Im Westen haben Protestanten wie Katholiken die pluralistischen Lektionen der Moderne gelernt. Im Osten steht dieser Lernprozess noch aus: die Orthodoxie muss z. T. erst „Außenwerke“ entwickeln und verstärken, in denen die Kraft westlicher Kirchlichkeit liegt: Diakonie, kirchliches Recht, Selbständigkeit gegenüber dem Staat, eigene Soziallehren, eine eigene gesellschaftliche Praxis.19 Umgekehrt müssen die westlichen Kirchen von den östlichen das lernen, was ihnen fehlt: das patristische und mystische Erbe, die unbedingte Präferenz von Gottesdienst und Liturgie – den glühenden Kern der Gottesliebe, ohne den alle „Außenwerke“ des Christentums, so effizient sie sein mögen, leer und äußerlich bleiben.

Innerhalb des sich wiedervereinigenden Europa steht also auch eine neue Begegnung der christlichen Kirchen an. Hierzu müssen viele Widerstände weggeräumt, viele Fremdheitsgefühle und Abneigungen überwunden werden. Ein neugieriges Interesse am Anderen muss sich entwickeln – ein Gefühl dafür, dass Europa nicht nur verbunden ist durch die Kultur des Humanismus und der Menschenrechte, sondern auch durch das gemeinsame Erbe christlicher Erziehung.

Solche Neugier aufeinander ist die Voraussetzung dafür, dass Europa nach jahrzehntelanger Trennung endlich wieder „mit beiden Lungen atmen“ und seine “Muttersprache, das Christentum“ aufs Neue lernen kann (Johannes Paul II.).20 Der Weg dahin wird freilich nicht einfach, er wird lang und mühsam sein.


Fußnoten:


  1. Genauer muss man sagen: Mittel-, Ost- und Südosteuropa einerseits, West-, Süd- und Nordeuropa anderseits. Staaten wie Tschechien, die Slowakei, Ungarn, Polen kann man nicht zu „Osteuropa“ (allenfalls zu „Mitteleuropa“) rechnen. Der alte, zäh weiterlebende Sprachengebrauch, der den Osten schon in Prag oder Budapest beginnen lässt, ist ein Relikt des Kalten Krieges. 

  2. Freilich ist „Europa auf dem Stier“ heute mehr in Leitartikeln, Kommentaren, Karikaturen präsent als in politischen Hoheitszeichen. Die politische Ikonographie des modernen Europa dagegen ist nicht durch den Stier, sondern durch die auf Richard Graf Coudenhove-Kalergi, den Gründer der Paneuropa-Bewegung, zurückgehenden zwölf Sterne geprägt worden (die sich wiederum an das Bild des himmlischen Jerusalem in der Apokalypse des Johannes anlehnen). 

  3. J. Fischer, Oriens – Occidens – Europa, Wiesbaden 1957. 

  4. O. Halecki, Europa. Grenzen und Gliederung seiner Geschichte, Darmstadt 1957; E. Hassinger, Das Werden des neuzeitlichen Europa 1300-1600, Braunschweig 1959; R. Brague, Europe. La voie romaine, Paris 1989; N. Davies, Europe. A History, Oxford 1996. 

  5. J. Schwarz (Hrsg.), Der Aufbau Europas. Pläne und Dokumente 1945-1980, Berlin 1980; F. Esterbauer, Europäische Integration von den Anfängen zum Vertrag von Maastricht, Wien 1994. 

  6. T. G. Ash, We the People: The Revolution of 1989 witnessed in Warsaw, Budapest, Berlin und Prague, London 1990 (dt. Ein Jahrhundert wird abgewählt, München 1990). 

  7. Zit. bei G. Haeffner SJ, Der Beitrag des Christentums zur Gestaltwerdung Europas, in: H. Maier (Hrsg.), Was hat Europa zu bieten, Regensburg 1998, S. 25-45, hier S. 45, Anm. 18. 

  8. Chr. Starck, „Die Einheit gründet im gemeinsamen politischen Erbe“, in: Rheinischer Merkur, 12.07.1996. 

  9. P. Häberle, Europäische Rechtskultur, Baden-Baden 1994. 

  10. H. Schulze, Staat und Nation in der europäischen Geschichte, München 1994. 

  11. E. Schmitt (Hrsg.), Dokumente zur Geschichte der europäischen Expansion, 7 Bde., München 1986 ff. 

  12. „Die Liste der Konflikte wird länger. Immer häufiger nehmen Amerika und Europa bei multilateralen Verhandlungen unterschiedliche Positionen ein“, in: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.08.2001; T. Judt, „Scheidung auf westlich. Amerika und Europa werden einander fremd“, in: Süddeutsche Zeitung, 27.08.2001. 

  13. So M. Greffrath: „Bis vor kurzem jedenfalls war die Kraft des Kapitalismus in Europa gezähmt, kulturelle Vielfalt kein Gegensatz zu sozialer Gleichheit. Die Sauberkeit unserer Städte mit ihren Bädern und Konzertsälen, die Schönheit unserer Dörfer, die Verlässlichkeit der Wasserversorgung, der Fahrpläne und der Müllbeseitigung, die unentgeltliche Bildung – unsere Selbstverständlichkeiten sind in Afrika, Asien und selbst in großen Teilen Nordamerikas Utopie“ (zit. in: Christ in der Gegenwart, 03.12.2000; dort auch das Semprunzitat). 

  14. So Judt, „Scheidung auf westlich“ (wie Anm. 12). 

  15. R. Brague, Die Geschichte der europäischen Kultur als Selbsteuropäisierung, in: Tumult. Schriften zur Verkehrswissenschaft (Wien), 22 (1996), S. 94-100. 

  16. In der deutschen Fassung von Abs. 2 der Präambel heißt es immerhin: „In dem Bewusstsein ihres geistig-religiösen und sittlichen Erbes …“ (in anderen europäischen Sprachen ist nur vom „patrimoine spirituel et moral“ (franz.), von „spiritual and moral heritage“ (engl.), vom „patrimonio espiritual y moral“ (span.) usw. die Rede. Vgl. P. J. Tettinger, Die Charta der Grundrechte der Europäischen Union, in: Neue Juristische Wochenschrift 2001, Heft 14, S. 1010-1015. 

  17. K. Lehmann, Christen im säkularisierten Europa, in: Marienbader Gespräche der Ackermann-Gemeinde 1999/2000, S. 142-151. 

  18. Rechnet man mit ca. 520 Millionen Menschen in Europa (diesseits des Urals), so sind rund die Hälfte davon (225 Millionen oder 49%) Katholiken, 99 Millionen (19%) Orthodoxe; auf die Kirchen der Reformation entfallen 83 Millionen (16%). (Stand von 1993, Zahlen des Konfessionskundlichen Instituts des Evangelischen Bundes in Bensheim). 

  19. Immerhin zeichnen sich erste Anzeichen einer Veränderung ab. Ein Beispiel dafür sind die im August 2000 von der Bischofssynode der Russischen Orthodoxen Kirche verabschiedeten „Grundlagen der Soziallehre der Russischen Orthodoxen Kirche“. Auszüge daraus sind in Ost-West. Europäische Perspektiven 2 (2001), S. 230-234, wiedergegeben. Vollständige Textausgabe: Die Grundlagen der Sozialdoktrin der Russisch-Orthodoxen Kirche. Deutsche Übersetzung mit Einführung und Kommentar, hrsg. von Josef Thesing und Rudolf Uertz, St. Augustin 2001. 

  20. Die inzwischen berühmt gewordene Formel gebrauchte Johannes Paul II. bei seiner Ansprache zum Abschluss des Vorsynodalen Symposions europäischer Wissenschafter im Vatikan am 31.10.1991 (L’Osservatore Romano, Deutsche Ausgabe, 21 (1991), Nr. 46, 15.11.1991, Beilage XLIII).