Brückenbauer, Leuchtturm, Weggefährte: Franz Kardinal König

(Porträt)
aus OWEP 4/2001  •  von Michael Albus

Als der ehemalige Wiener Erzbischof am 3. August 2000 95 Jahre alt wurde, schickte ihm Johannes Paul II. ein Glückwunschtelegramm. Darin nannte er ihn einen „Brückenbauer“ im kirchlichen und gesellschaftlichen Leben, einen „Leuchtturm“ an Aufrichtigkeit und Festigkeit und einen „lieben Weggefährten im bischöflichen Dienst“. Was der Papst mit der letzten Bezeichnung ganz persönlich gemeint hat, gilt für den Österreicher überhaupt. Weggefährte, als Priester, wollte er immer sein. Als Erzbischof in Wien war ihm der persönliche Kontakt in der Seelsorge ein besonderes Anliegen. Viele Hunderte von Besuchen in Pfarreien, Betrieben und Schulklassen unternahm er. Kirche war für ihn immer auch ein wichtiger gestaltender Faktor der Gesellschaft, nicht nur Kirche für sich.

Weltoffen war er von Anfang an. Dass er nach einem glänzenden Abitur in Melk Theologie studiert hatte, war gar nicht selbstverständlich. Er kam aus einem „traditionell römisch-katholischen Elternhaus“: „Man ging am Sonntag in die Kirche, aber ansonsten hatte ich keine nähere Verbindung dazu. Ich war auch nie Ministrant gewesen und hatte auch nie mit der Pfarrei etwas zu tun gehabt.“ Das Stipendium für ein Studium in England schlug er aus. Er entschied sich für Rom. Dorthin musste und durfte er Zeit seines Lebens häufig reisen: als Student an der Päpstlichen Universität Gregoriana, als Bischof von St. Pölten, als Erzbischof und Kardinal in Wien, als Konzilsvater und auf Grund seiner zahlreichen und wichtigen Kontakte in den ehemaligen kommunistischen Machtbereich hinein. Es war ihm ein wichtiges Anliegen, die Isolierung der Kirche hinter dem Eisernen Vorhang zu überwinden. In den Jahren ab 1960 besuchte er fast alle Oststaaten.

Franz König war und ist ein Mann mit weit reichendem Einfluss. Seine Bedeutung, seine Gelehrsamkeit, seine Frömmigkeit verbarg und verbirgt er bescheiden hinter einem immer freundlichen und gesprächsbereiten Auftreten.

Auch dem Dialog zwischen den Religionen galt von Anfang an seine besondere Aufmerksamkeit. 1946 habilitierte er sich an der Universität Wien für Religionswissenschaften. Eine besondere Funktion im Dialog der Religionen übernahm die von ihm 1964 gegründete Stiftung „Pro Oriente“. Sie gibt wichtige Impulse durch ihre internationalen Symposien.

Kardinal König gilt bis heute als einer der besten Kenner der Ideenwelt der altiranischen Religion des Zarathustra. Sein großes, 1951 erschienenes religionsgeschichtliches Standardwerk trägt den bezeichnenden Titel „Christus und die Religionen der Erde“. Auch das „Religionswissenschaftliche Wörterbuch“, 1956 erschienen, hat bis heute seine Bedeutung behalten.

Auf vielfältige Weise trug er auch zum besseren Verstehen zwischen der katholischen Kirche, dem Judentum und dem Islam bei. Ein besonderes Anliegen war und ist ihm immer der Dialog zwischen Religion und Wissenschaft. Hier ergriff er auf internationaler Ebene zahlreiche Initiativen. Was er für die Ökumene getan und bewirkt hat, ist in seiner weiter reichenden Bedeutung kaum abmessbar. Durch seine zahlreichen Kontakte knüpfte er ein dichtes Netz für den Dialog mit den nichtkatholischen Ostkirchen.

Franz Kardinal König ist bis zum heutigen Tag, trotz seines hohen Alters von 96 Jahren, wach und kritisch geblieben. Im Blick auf das Christentum sagte er noch vor kurzer Zeit: „Wir haben uns zu sehr auf eine intellektuelle Ebene zurückgezogen hinsichtlich dessen, was Christentum im weitesten Sinne bedeutet: Wissen und Leben.“ Der „Apparat dominiert zu stark in unserer heutigen Zeit“.

Und der alte Mann ist sich sicher: Es wird eine religiöse Erneuerung geben: „Die Gottesfrage klopft wieder an unsere Tür ... Ich spüre das gerade in der jungen Generation, und das interessiert mich außerordentlich: Es geht um die Frage des ‚Wozu‘, also wirklich um die Sinnfrage. Es geht darum, auf die Gottesfrage und damit auf die Sinnfrage in der Sprache von heute eine Antwort zu finden.“