Dalmatien – Region an der Adria mit bewegter Geschichte

aus OWEP 1/2009  •  von Aleksandar Jakir

Der Autor hat an der Abteilung für Geschichte der Philosophischen Fakultät der Universität Split (Kroatien) die Professur für Geschichte des 20. Jahrhunderts inne.

Dalmatien („Schäferland“) liegt an der Ostküste der Adria und bezeichnet heute den Südostteil Kroatiens (inkl. zahlreicher Inseln). Die Region umfasst ca. 13.000 km² mit ungefähr 860.000 Einwohnern (religiöse Verteilung: 76 Prozent römisch-katholisch, 11 Prozent serbisch-orthodox, 13 Prozent Muslime, Protestanten u. a.). Verwaltungsmäßig ist Dalmatien in die vier Gespanschaften (Bezirke, kroatisch „županije“) Zadar, Šibenik-Knin, Split-Dalmatien und Dubrovnik-Neretva aufgeteilt. Die größte Stadt ist Split (ca. 190.000 Einwohner); ein weiteres wichtiges Zentrum, besonders für den Tourismus, ist Dubrovnik (historische Altstadt). – In der Antike gehörte die Region zum Römischen Reich, in der frühen Neuzeit zu Venedig, seit 1815 zu Österreich. Nach 1918 teilte Dalmatien das Schicksal Kroatiens und ist heute ein Teil der Republik Kroatien.

Ein in Dalmatien sehr bekanntes Lied besingt diese geographische und historische Region an der Ostküste der Adria als durch die Geschichte erschöpft und ausgezehrt.1 Der stark gegliederte Küstenstreifen des adriatischen Meeres mit den mehr als 1.000 vorgelagerten Inseln, von denen knapp 60 ständig bewohnt sind, erfreut sich als Urlaubsziel nach dem Krieg zu Beginn der 1990er Jahre wieder steigender Beliebtheit. Dalmatiens Geschichte hingegen ist wenig bekannt. Möchte man sich in deutscher Sprache über dieses Gebiet näher informieren, in dem heute ca. 860.000 Menschen leben, bieten sich in erster Linie gute Reiseführer oder historische Lexika an.2

Geographische und historische Grundlagen

Die Bezeichnung Dalmatien ist seit dem 1. Jahrhundert belegt und bedeutet wahrscheinlich „Schäferland“. Sie leitet sich ab von dem illyrischen Stamm der Delmatae. Die Römer errichteten eine von der Adria bis an den Rand des Savetals reichende Provinz unter dem Namen „Dalmatia“. Seit dem 18. Jahrhundert versteht man unter der Region Dalmatien den östlichen Küstenstreifen der Adria, der dem Dinarischen Karstgebirge vorgelagert ist, von der Insel Grgur bei Rab im Norden bis zur Bucht von Kotor bzw. der Mündung des Flusses Neretva im Süden, mitsamt zwanzig größeren und mehreren hundert kleineren Inseln vor diesem Küstenabschnitt. Die kontinentale Grenze im Hinterland zieht sich von Obrovac über Knin, wo sich Dalmatien an seiner breitesten Stelle knapp 60 km tief ins Festland erstreckt, bis Imotski und von dort an der Neretva entlang bis Metković. Der kontinentale Teil Dalmatiens, durch die Berge Kozjak, Mosor, Dinara und Rilić von der Küste getrennt, unterscheidet sich mit seinen Hauptorten Sinj, Imotski, Vrgorac und Vrlika deutlich vom mediterranen Küstengebiet. Dessen wichtigste Städte sind Split (das jahrhundertelang kirchliche Metropole der Region war und heute die größte Stadt und das wirtschaftliche Zentrum ist), Zadar (das zu venezianischer und österreichischer Zeit Hauptstadt war), Šibenik (zeitweilige Hauptstadt des mittelalterlichen Königreichs Kroatien) und Dubrovnik (der ehemalige Stadtstaat Ragusa).

Geprägt werden die Inseln und der Küstenstrich durch ein Mittelmeerklima, dem eine mediterrane Flora entspricht. Die noch im frühen Mittelalter bewaldeten küstennahen Hochkarstflächen sind aufgrund von Abholzung für den Schiffs- und Städtebau und Viehverbiss durch Ziegen und Schafe nur spärlich bewachsen oder kahl verkarstet. Nur in den mit Schwemmerde bedeckten Dolinen und Poljen, den natürlichen Mulden der Karstlandschaft, ist Feldwirtschaft (Obst, Getreide) möglich. Einzig im Norden Dalmatiens, zwischen Nin und dem See von Vrana, erstreckt sich ein größeres zusammenhängendes Stück flachen Landes (Ravni Kotari), das landwirtschaftlich von einiger Bedeutung ist.

Von den Zeiten der früheren Bewohner Dalmatiens, den Illyrern, Griechen und Römern über die Kroaten, Ungarn und Osmanen bis zu den Venezianern, Österreichern, Serben oder Italienern, lassen sich in Dalmatien vielfältige Einflüsse und gegenseitiger Austausch feststellen. Bei der Teilung des Römischen Reiches (395) kam Dalmatien zunächst zum Westreich, 535 jedoch zum Oströmischen Reich. Die seit dem Ende des 6. Jahrhunderts einfallenden Slawen eroberten im 7. Jahrhundert Dalmatien bis auf die zum byzantinischen Exarchat von Ravenna gehörenden Städte (Zadar, Trogir, Split, Dubrovnik, Kotor) und Inseln (Krk, Cres, Rab). Im 10. und 11. Jahrhundert ging die mittelalterliche kroatische Staatsbildung von Dalmatien aus. Bald trat als neuer Konkurrent um Dalmatien Venedig auf, das die Küstenstädte als Stützpunkte für seinen Levantehandel zu erobern suchte. Später griffen neben Ungarn noch Bosnien und Serbien in den Konflikt ein. Aus den Auseinandersetzungen um die Herrschaft in dieser Region ging im 15. Jahrhundert die reiche Lagunenstadt als Sieger hervor. Die venezianischen Besitzungen an der Küste wurden dann im 17. und 18. Jahrhundert auf Kosten des Osmanischen Reiches erweitert.

Entwicklung seit der Neuzeit

Die verschiedenen historischen Territorien, aus denen Dalmatien besteht, unterscheiden sich in Bezug auf ihre geschichtliche, wirtschaftliche, soziale und kulturelle Entwicklung erheblich voneinander. Selbst innerhalb des ehemaligen venezianischen Dalmatiens kann man von zwei Regionen sprechen. Manche Historiker schreiben sogar, es gebe „zwei Dalmatien“: Das erste umfasse die venezianischen Erwerbungen aus der Zeit des 15. Jahrhunderts bis 1669 („Acquisto vecchio“), das zweite Gebiet das nach 1699 bzw. nach 1718 erworbene Hinterland („Acquisto nuovo e novissimo“). Im Gebiet des „Acquisto vecchio“ hatten sich die alten kommunalen Strukturen und eine städtische Gesellschaft mediterranen Typs erhalten. Die Agrarverhältnisse waren durch das Kolonat gekennzeichnet (mit Kolonen, d. h. Bauern, die gegenüber den landbesitzenden Patriziern in den Städten abgabepflichtig waren). Auf dem Gebiet der späteren Erwerbungen Venedigs dagegen hatte die Markusrepublik dieses Verwaltungs- und Rechtssystem nicht eingeführt, sondern aus strategischen Überlegungen heraus zum Zweck der Abwehr gegen das Osmanische Reich ein System, das dem der Militärgrenze in der Habsburgermonarchie entsprach. Die Bauern dort waren von Abgaben befreit und stattdessen in halb-militärischen/halb-zivilen Strukturen zur Verteidigung („Forze territoriali“) strukturiert und erhielten als Lohn staatliches Land zur Bearbeitung. Hinzu kamen die Besonderheiten des Gebiets der ehemaligen Republik Ragusa/Dubrovnik. Daher bestanden in Dalmatien, nachdem Österreich 1815 die Herrschaft übernommen hatte, mindestens zwei Arten von Gesellschaften, die sich anschickten, den beschwerlichen Weg in die Moderne anzutreten: eine „städtische“ an der Küste und auf den Inseln und eine „dörfliche“ im Gebiet des dalmatinischen Hinterlandes, des Küstenlandes von Makarska und am Flusslauf der Neretva.

Die dalmatinische Gesellschaft war in starkem Maße polarisiert: Von den ca. 416.000 Einwohnern Mitte des 19. Jahrhundert waren 90 Prozent Bauern, was sich noch bis Mitte des 20. Jahrhundert kaum ändern sollte.3 Das „Bürgertum“ bestand hauptsächlich aus Landeigentümern/Patriziern und Beamten, die größtenteils in den Städten lebten. Dazu kam eine überaus dünne Schicht von Gebildeten, die sich aus den höheren Schichten bzw. dem Klerus rekrutierte. Ein Bürgertum im Sinne jener sozialen Kategorie, wie sie in anderen Teilen der Habsburgermonarchie in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts bereits existierte, gab es in Dalmatien nicht. Die traditionelle Elite hatte aufgrund ihrer wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Stellung einen dominanten Status und gab im gesellschaftlichen Leben den Ton an. Religiös überwog als Folge der osmanischen Eroberungen, der Schaffung der Militärgrenze und der Ansiedlung von orthodoxen Wehrbauern im dünnbesiedelten kontinentalen Teil Dalmatiens, im Hinterland von Zadar und um Knin herum die Zugehörigkeit zur orthodoxen Kirche, während an der Küste und auf den Inseln die Bevölkerung fast ausschließlich katholisch war. Die unterschiedliche Konfession spielte bei der Schaffung der modernen kroatischen wie serbischen Nation eine signifikante Rolle. Historisch hat die orthodoxe Kirche ein serbisch-nationales Zusammengehörigkeitsbewusstsein in Abgrenzung zum Islam und zum Katholizismus symbolisiert und propagiert.

Nach der napoleonischen Epoche, in der Dalmatien zeitweise die Bezeichnung „illyrische Provinzen“ trug, schlug der Wiener Kongress 1815 die Region Österreich zu, dessen „Kronland“ Dalmatien bis zum Zusammenbruch der Donaumonarchie 1918 blieb. Zu Zeiten Österreichs reichten die Interessen des Zentrums an seinem – so Theodor Schiff 1875 – „halbvergessenen“ südlichsten Kronland Dalmatien kaum über den strategischen Wert der Region und über die direkte Kontrolle der Verwaltung hinaus. Die in der Bildungsschicht vorhandenen Vorstellungen von einer staatlichen Hauptverantwortung für die Entwicklung führten zu wachsender Unzufriedenheit; insbesondere die Bevorzugung des Italienischen rief innerhalb der übergroßen slawischsprachigen Mehrheit zunehmende Verbitterung hervor. Wien bemühte sich zwar, Dalmatien in die Strukturen der Habsburgermonarchie zu integrieren, Hauptrichtung in der Politik gegenüber Dalmatien war jedoch keineswegs die Änderung, sondern vielmehr das Beibehalten der bestehenden gesellschaftlichen Verhältnisse.

Konstant blieben das ganze 19. und über die Hälfte des 20. Jahrhunderts hinaus die überaus schlechten Lebensbedingungen für die große Mehrheit der bäuerlichen Bevölkerung. Die katastrophalen Zustände in der nach Meinung vieler rückständigsten Provinz der Monarchie fasste 1910 der Spliter Abgeordnete Josip Smodlaka in einer Rede vor dem Wiener Parlament in folgenden Worten zusammen: „Dalmatien ist ein Bauernland … ohne Industrie, Brot, Fleisch, Kartoffeln, Holz; mehr als die Hälfte der Dörfer haben kein Trinkwasser …“ Weiter beklagte er die katastrophalen Verkehrsverbindungen, die grassierenden Seuchen, die ungelöste Agrarfrage, Missernten, die Auswanderungswelle und vieles mehr. Ländliche Überbevölkerung, geringer Industrialisierungsgrad, niedriges Bildungsniveau, Abhängigkeit vom Auslandskapital und geringe Produktivität waren die für die schlechten Lebensbedingungen in Dalmatien bis in die jüngste Zeit ausschlaggebenden Faktoren.

Dalmatien als Region innerhalb Kroatiens und Jugoslawiens

Im blutigen 20. Jahrhundert, das die Bezeichnung „Zeitalter der Extreme“ sicher auch in Dalmatien zu Recht trägt, änderten sich Staaten, Regime und territoriale Grenzen auch hier in atemberaubender Geschwindigkeit. Selbst diejenigen, die ihr Fischerdorf an der Küste niemals verließen, wechselten mindestens ein halbes Dutzend Mal die Staatszugehörigkeit, wobei manche Krisen außerhalb der Region kaum bekannt wurden.4

Nach dem Untergang Österreich-Ungarns gehörte Dalmatien zunächst zum kurzlebigen, die Südslawen der Donaumonarchie umfassenden Staat der Slowenen, Serben und Kroaten, dann zum vom serbischen Monarchen beherrschten Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen (SHS), das nach der Ausrufung der offenen Königsdiktatur 1929 in Königreich Jugoslawien umbenannt wurde. Nach dem Angriff des Deutschen Reiches und Italiens am 6. April 1941 zerfiel dieses Königreich, das aufgrund der Belgrader Dominanz die Kroaten nicht als das ihre empfanden, innerhalb weniger Tage. Große Teile Dalmatiens – der Küstenstreifen von Zadar bis Split und fast alle Inseln – wurden von Italien annektiert.5 Von den größeren Orten verblieben nur Makarska und Dubrovnik, von den Inseln nur Pag, Brač und Hvar im Gebiet des so genannten „Unabhängigen Staates Kroatien“ (Nezavisna Država Hrvatska/NDH,1941-1945), der dort seine genozidale antiserbische Politik umsetzte. Seit Ende Juni 1941 formierte sich in Dalmatien eine starke antifaschistische Guerilla mit kommunistischen Partisaneneinheiten; dadurch entwickelte sich der Zweite Weltkrieg auf dem Boden Kroatiens zugleich zu einem blutigen Bürgerkrieg.

Nach dem Sieg der Anti-Hitler-Koalition und der so genannten Volksbefreiungsarmee unter der Führung Josip Broz Titos, die Ende Oktober 1944 das Küstengebiet und das Hinterland einnahm, wurde Anfang 1945 in Split die Regierung des neuen antifaschistischen Kroatien gebildet. Die verbliebene italienischsprachige Minderheit wurde in die Emigration gezwungen, die antikommunistischen Kräfte nach dem Sieg der Partisanen unterdrückt. Die neue Macht rechnete blutig mit allen wirklichen oder vermeintlichen Feinden ab. Ganz Dalmatien (bis auf die Bucht von Kotor und Budva, die Montenegro zugeschlagen wurden) wurde nun Teil der sozialistischen kroatischen Teilrepublik innerhalb des neu gegründeten föderativen Jugoslawien. Zu Zeiten des Sozialismus verstärkten sich Urbanisierungs- und Industrialisierungsprozesse in Dalmatien (Schiffbau, verarbeitende und Zementindustrie); der Tourismus entwickelt sich zu einem starken Wirtschaftszweig.

Nach Titos Tod und einsetzender Verschuldungs- und Wirtschaftskrise eskalierten die Konflikte innerhalb der Föderation und führten 1990/91 zum Zerfall der Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien; Dalmatien wurde Bestandteil der Republik Kroatien. Die weiter schwelenden politischen Auseinandersetzungen mündeten schließlich in den offenen Krieg. Die Instrumentalisierung der serbischen Minderheit in Dalmatien durch Belgrad führte dazu, dass deren politische Führung in Knin eine Republik „Serbische Krajina“ ausrief, die auch die vormals mehrheitlich serbisch besiedelten Teile Norddalmatiens umfasste. Im September 1991 befand sich mehr als ein Viertel Dalmatiens in der Hand der serbischen Kräfte.

Die Vertreibung der dortigen Kroaten im Zuge der Umsetzung der Politik der „ethnischen Säuberung“ (wobei es auch zu furchtbaren Massakern wie am 18. November 1991 im Dorf Škabrnja im Hinterland von Zadar kam), infolge des Granatbeschusses und der Zerstörung von zahlreichen Dörfern und Städten wie Zadar, Šibenik, Biograd und besonders Dubrovnik führte dazu, dass das Verhältnis zwischen Serben und Kroaten in Dalmatien einen neuen Tiefpunkt erreichte. Im Krieg Kroatiens gegen die militärische Aggression der ehemaligen jugoslawischen Volksarmee und der serbischen und montenegrinischen paramilitärischen Verbände kam es dann 1995 zur militärischen Rückeroberung und zur Flucht eines großen Teils der dalmatinischen Serben, von denen ein Teil bis heute nicht wieder zurückgekehrt ist. Die Situation hat sich allerdings mittlerweile erheblich entspannt, wozu auch die Politik mehrerer Koalitionsregierungen unter Einschluss der politischen Vertreter der serbischen Minderheit beigetragen hat.

Festzuhalten ist, dass in der kleinen Region an der Adria bis heute auf engem Raum verschiedene prägende historische Traditionen mit gesellschaftlichen Langzeitwirkungen nebeneinander existieren. Auch für die angestrebte gemeinsame europäische Zukunft ist das Wissen über diese geschichtlichen Wurzeln unerlässlich.


Fußnoten:


  1. Vgl. Text und Musik „Dalmatino, povišću pritrujena“ von Ljubo Stipišić (Hörbeispiel eines typischen Mehrton A-cappella-Gesangs von der Gesangsgruppe „klapa“, mit Bildern dalmatinischer Landschaften unterlegt; vgl. http://www.youtube.com/watch?v=kNatY74GidI&feature=related oder http://www.youtube.com/watch?v=p0q-7nrQ3X8 (letzte Zugriffe: 14.10.2014) – Allgemeine Hinweise zu Dalmatien: http://de.wikipedia.org./wiki/dalmatien (letzter Zugriff: 14.10.2014). 

  2. Vgl. z. B. Andreas Braun: Kroatische Adriaküste, Dalmatien. (Baedeker/Allianz Reiseführer). Ostfildern, 2. Aufl. 2006. Historischer Überblick bei Ludwig Steindorff: Stichwort „Dalmatien“, in: Edgar Hösch/Karl Nehring/Holm Sundhaussen (Hrsg.): Lexikon zur Geschichte Südosteuropas. Wien, Köln, Weimar 2004, S. 176-180. 

  3. Vgl. Aleksandar Jakir: Dalmatien zwischen den Weltkriegen. Agrarische und urbane Lebenswelt und das Scheitern der jugoslawischen Integration. (Südosteuropäische Arbeiten, Bd. 104). München 1999. 

  4. So besetzten ab dem 19.11.1918 italienische Truppen das Territorium von 31 der 88 dalmatinischen Gemeinden (379 von insgesamt 875 Ortschaften) und begannen mancherorts mit einer rigiden Italianisierungspolitik. Bis Anfang Juli 1921 räumte die italienische Armee jedoch die meisten Orte; bis März 1923 blieb nur noch Zadar/Zara als Enklave unter italienischer Kontrolle, das nach dem Zweiten Weltkrieg dann an das sozialistische Jugoslawien fiel. In Dalmatien selbst stießen die italienischen Expansionsbestrebungen auf geschlossene Ablehnung. In zahlreichen Gemeinden wurden geheime Volksabstimmungen durchgeführt, bei denen sich fast hundert Prozent für den Anschluss Dalmatiens an das Königreich SHS aussprachen. 

  5. Auf der Insel Molat in der Bucht Jaz vor Zadar befand sich von Juni 1942 bis zur Kapitulation der italienischen Truppen 1943 das größte italienische faschistische Lager in Dalmatien während des Krieges. An die 20.000 Gefangene durchliefen das Lager während dieses Zeitraums, hunderte kamen ums Leben. Mehr als 40.000 Zivilisten aus Dalmatien wurden während es Krieges von den Alliierten evakuiert, die meisten nach Ägypten.