Streiflichter aus dem jüdischen Alltag in Weißrussland

aus OWEP 3/2008  •  von Manfred Zabel

Der Autor war von 1971 bis 2001 Professor für theologische Anthropologie und Sozialethik an der Universität Siegen. Er ist Mitglied im Internationalen Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB) und leitet zur Zeit die Teilhaberversammlung des Deutsch-Belarussischen Gemeinschaftsunternehmens IBB „Johannes Rau“ in Minsk. – Dem vorliegenden Beitrag liegen zahlreiche Gespräche mit Leonid Lewin und Zeitzeugen in Weißrussland zugrunde.

Drei Gedenksteine auf dem ehemaligen jüdischen Friedhof in der Suchajastrasse in Minsk erinnern an die aus Hamburg, Bremen und Düsseldorf hierher deportierten und ermordeten Juden. Zu einer Gedenkstunde im März 2008 versammeln sich etwa hundert Menschen neben einem der letzten Häuser im ehemaligen Ghetto. Viele sind zur Fünfjahresfeier des Projektes „Geschichtswerkstatt“ gekommen. Das Internationale Bildungs- und Begegnungswerk Dortmund (IBB), die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ Minsk und die jüdischen Gemeinden tragen das Projekt, das inzwischen auch als Altentagesstätte wirkt. Unter den Rednern an den Steinen sind auch Leonid Lewin, der siebzigjährige Präsident der belarussischen Union der jüdischen Organisationen und Gemeinden, und Oberrabbiner Grigory Abramowitsch, der das Kaddisch für die Toten spricht. Sie sprechen in der Öffentlichkeit und müssen sich nicht wie früher in der sowjetischen Periode verstecken. Anschließend wird die Bronzeplatte erneut enthüllt, die an die Bremer Juden erinnert. Man erzählt, sie sei vor einem Jahr gestohlen und nach einer Suchaktion des deutschen Botschafters gegen eine Eurozahlung von den Metall-Dieben zurückgegeben worden. Nun wird sie fester verankert. Alltag in Minsk.

Einheit in Vielfalt

Auch in Belarus gibt es wieder drei religiöse Vereinigungen: die orthodoxe Union der religiösen jüdischen Gemeinden, die Chabad Lubawitsch-Union der jüdisch religiösen Gemeinschaften und die Union des progressiven Judentums. Die Lubawitscher werden im Sommer 2008 eine große neue Synagoge eröffnen. Das Werk der Minsker Architektin Galina Lewina hat eine lange Baugeschichte mit einigen Unterbrechungen. Probleme innerhalb der Gemeinde und die Suche nach finanzieller Unterstützung waren Gründe dafür. Nun steht das eindrucksvolle Gebäude mit seinen Gemeinderäumen kurz vor der Vollendung. In der kommunistischen Periode gab es hier keinen Rabbi und auch keine jüdische Hochschule. Nach 1989 kam ein junger Rabbiner aus New York, konnte aber nur die englische und hebräische Sprache. Am Thora-Freudenfest spielte er die Gitarre, sang dazu in der damals ungewohnten hebräischen Sprache israelische Lieder und forderte die staunenden Besucher zum Tanz mit der Thora-Rolle auf. Er strahlte die Freude eines Alleinunterhalters aus, dem damals nicht viele folgen konnten.

Das hat sich gründlich geändert. Jetzt gibt es mehrere Rabbiner, kaum noch Sprachprobleme und keinen Mangel an religiösen Angeboten in Weißrussland. Das Interesse an jüdischer Kultur und an den religiösen Festen ist gewachsen. Sogar eine Rabbinerin aus St. Petersburg arbeitet in der Reformgemeinde Cheled Simcha in Minsk. Nelly Kogan hat im Leo Baeck College in London studiert und berichtet im haGalil onLine-Interview, dass sich 7.000 Menschen in der Reformbewegung als Mitglieder angemeldet haben. Eine Synagoge, ein Cheder und ein Kindergarten gehören zur Grundausstattung jeder Gemeinde. Zu den Festtagen kommen immer mehr Besucher, als die Gemeinde Mitglieder zählt.

Jüdischer Alltag ist heute in Weißrussland wie überall Einheit in Vielfalt: „Wo drei Juden sind, gibt es vier Meinungen.“ Judentum ist lebendig, wenn es um den rechten Weg streitet. Im Lehrhaus ringen die Rabbiner und ihre Schulen miteinander um die beste Auslegung der Schriften. Das hat Tradition auch in diesem Teil Europas, in dem es einst zahlreiche Lehrhäuser (Jeschiwen) mit berühmten Rabbinern gab.

Hier war einmal die Schtetl-Kultur zu Hause

In einem Dorf nahe der Jeschiwe von Woloschen wurde 1923 Shimon Perez geboren. 1998 kam er zu einem privaten Besuch und trank das Wasser aus dem Brunnen neben dem kleinen Holzhaus im Heimatdorf.

Viele berühmte Künstler wie Marc Chagall haben ihre Wurzeln in Weißrussland, wo einmal die Schtetl-Kultur den Alltag bestimmte. Doch von dieser Tradition gibt es heute nur noch eindrucksvolle Gebäude und Friedhöfe mit alten Grabsteinen zu sehen, deren Restaurierung und Pflege niemand finanzieren kann. Architektonische Kleinode, wie z. B. die barocke Synagoge von Slonim, schützt ein provisorisches Dach vor dem völligen Verfall und ein Bretterzaun unzureichend vor Vandalismus. Zwischen den Grabsteinen auf den Friedhöfen weiden Kühe.

Galina Lewina bemüht sich seit Jahren um eine Dokumentation der jüdischen Gebäude in der Hauptstadt Minsk und in den ländlichen Gebieten. In einer erhaltenen Synagoge im Zentrum der Metropole Minsk wird jetzt Theater gespielt. Vor einigen Jahren wurde das Theater zur Feier des Jom Kippur angemietet und für zwei Tage wieder als Synagoge genutzt. Spenden aus Kanada haben das ermöglicht.

Die Renaissance des jüdischen Lebens

Die vitale jüdische Gemeinschaft in Weißrussland verbindet heute Erinnerungs- und jüdische Alltagskultur miteinander. Ihre Renaissance hat nach 1989 begonnen und weist eine Besonderheit auf. Am Purimfest 1989 – so wird berichtet – besuchen drei jüdische Frauen alte Menschen in einem Heim, baden sie, sprechen mit ihnen und treffen dabei auf Baptisten, die dasselbe tun. Sie verabreden sich: „Wir arbeiten für sie am Sonntag, sie für uns am Sabbat.“ Aus dieser Aktion der tätigen Nächstenliebe entsteht 1994 die jüdische Wohlfahrtsorganisation „Hessed Rachamim“. Unter den Gründern ist auch Professor Benjamin Melzer, der mit seinen juristischen Seminaren über römisches Recht lange Jahre ein Nischenfach in der staatlichen Universität verwalten konnte. Zunächst war er der einzige, der in der improvisierten Synagoge im Obergeschoss einer Autowerkstatt hebräisch lesen und sprechen konnte. Die Thorarollen wurden am Thora-Freudenfest aus einem alten Kleiderschrank herausgeholt. Ljuba Abramowitsch, seine Ehefrau, entzündete die Sabbatkerzen in einem umgebauten Kindergartengebäude und Benjamin Melzer erklärte die Bedeutung des Sabbat. Die Anfänge waren bescheiden. Das Ehepaar Melzer ist 1996 in die USA ausgewandert.

Das jüdische Sozialwerk

Heute hat „Hessed Rachamim“ seine Zentrale im Jüdischen Gemeindehaus in der Hauptstadt Minsk. Besuchern, die es durch eine Sicherheitsschleuse betreten, bietet es ein breites Angebot: eine Cafeteria, eine Musikgruppe, ein kleines jüdisches Museum und gastliche Versammlungsräume, in denen der Sabbat gefeiert wird und sich die Seniorengruppe zur Gymnastik trifft. Sophia Abramova managt umsichtig das umfangreiche Programm der Wohlfahrtsorganisation. Sie hat ihre Englischkenntnisse verbessert, denn „Hessed Rachamim“ ist auf internationale Hilfe angewiesen. Das American Jewish Joint Distribution Commitee – kurz Joint genannt – unterstützt das Sozialwerk. Aus Israel kommt personelle und finanzielle Förderung, die Arbeitsgemeinschaft für die Juden in der ehemaligen Sowjetunion (AJS) in der Schweiz ist seit Jahren hilfreich und Einzelspender, auch aus Deutschland, gehören mit zum Netzwerk der Förderer. Das ist nach wie vor überlebenswichtig.

Trotz der staatlich garantierten und pünktlich ausbezahlten Rente ist die Not der Menschen immer noch groß. Über vierhundert freiwillige Helferinnen besuchen alleinstehende Menschen in den Plattenbauten und bieten ihnen eine „warme Stube“ an, d. h.: In den Nachbarschaften wird eine Wohnung gemietet als Treffpunkt mit einem warmen Tee und Gesprächsangeboten. Essen auf Rädern sowie Lebensmittel- und Medikamentenpakete werden ins Haus gebracht. Ein Seniorenclub bietet Anregungen: Amateurtheater, Chor, Tanzgruppe, Schach und Sprachkurse. Jeden Monat werden mehr als 2.000 Besucher im Club gezählt. Das jüdische Zentrum in Minsk strahlt inzwischen ins Land aus. Ein Netzwerk in zweiundzwanzig Gemeinden mit ebenso vielen „Hessed Rachamim“-Gruppen ist in allen Teilen des Landes entstanden.

„Tante Sarah“ – so nennt Leonid Lewin liebevoll die vielen alleinstehenden alten Frauen – ist der Schatz der jüdischen Gemeinschaft. Sie leben unauffällig und zurückgezogen. „Sie wissen nicht, was Liebe heißt, haben die Liebe eines Mannes nie erfahren. Nicht die Liebe der Kinder, die haben nie etwas vom Leben gehabt.“ Lange Jahre war es gefährlich, Jude zu sein. Und viele haben vergessen oder nie erfahren, was jüdische Kultur und Religion bedeutet. Nun bekommen sie die ersten Kontakte über „Hessed Rachamim“, was mit „Gnade und Barmherzigkeit“ übersetzt werden kann. Die tatkräftige Fürsorge für „Tante Sarah“ und das Sozialwerk „Hessed Rachamim“ stehen für die Renaissance des jüdischen Lebens in Weißrussland.

Nationalität Jüdisch

Immer wieder wird gefragt, wie viele Juden es denn heute in Weißrussland gibt. Die Antwort ist schwierig, weil die Geschichte schwierig ist.1 1928/29 war der Anfang vom Untergang der jüdischen Kultur in diesem Teil Europas, als Stalin alle Synagogen und Versammlungsräume schließen ließ. 1941 begann die physische Vernichtung mit dem Überfall der deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion. Unter den drei Millionen Kriegsopfern in Weißrussland werden 800.000 Juden geschätzt. Im Sommer 1944 befreite die Rote Armee das Land, die überlebenden Juden erhoffen sich eine Zukunft ohne Antisemitismus. Doch schon bald begannen Prozesse, in denen Juden als „Kosmopoliten“ und „Zionisten“ angeklagt wurden. Das „Jüdisch“ im Pass kennzeichnete in allen Ländern der Sowjetunion die Nationalität wie sonst „Russisch“ oder „Belarussisch“. Darum führen Assoziationen an das eindeutig diskriminierende „J“ im Pass in der Nazizeit in die Irre. Anfang der fünfziger Jahre plante Stalin, alle Juden nach Birobidschan (Ostsibirien) in einen eigenen „Judenstaat“ zu deportieren. „Der Allmächtige hat durch Stalins Tod diesen Plan verhindert“, sagt Lewin und fügt hinzu: „Es dauert drei Generationen, die Empfindungen dieser Sklaverei zu vergessen. Das ist unsere Wüstenwanderung.“

Erinnerungsorte

In der ehemaligen Sowjetunion gab es – so erzählt man in Minsk – nur ein einziges Denkmal, das an die Ermordung der Juden erinnert. Alle anderen Denkmale sind den heroischen Kämpfern der Roten Armee gewidmet oder nennen die Zahlen aller Kriegstoten. In der Erschießungsgrube des Minsker Ghettos wurde 1946 ein Obelisk aufgestellt, auf dem in russischer und jiddischer Sprache zu lesen ist: „Lichtes Gedenken auf ewige Jahre der fünftausend Heiligen (Kadoschim), die ermordet worden sind durch die Hände der blutigsten Feinde der Menschheit – durch die faschistisch-deutschen Mörder-Verbrecher.“ Dieser Obelisk hat den staatlich betriebenen Mythos von den Helden ohne Opfer überstanden – offenbar unbeachtet, weil die Grube lange Zeit als wilde Müllkippe diente.

Die Gedenkstätte „Jama“ wurde 2001 von Leonid Lewin neu gestaltet. Eine Bronze-Figurengruppe an einer Seite der Steintreppe symbolisiert den letzten Gang der Opfer. Ein Hain der Gerechten weist hin auf die Weißrussen, die Juden gerettet haben. „Jama“ ist zu einem zentralen Erinnerungsort geworden.

Quelle: Projekt „Geschichtswerkstatt Minsk“ des IBB Dortmund

2008 hat hier sogar eine Gedenkveranstaltung der Stadt Minsk am Tag der Erinnerung an die verbrannten Dörfer in Belarus stattgefunden. Bisher gab es eine solche nur in der nationalen Gedenkstätte Chatyn, an deren Errichtung 1969 Leonid Lewin maßgeblich beteiligt war. Im „Park der verbrannten Dörfer“ erklingen ständig kleine Glocken von den Ruinen der Schornsteine. Diese Gedenkstätte ohne Heroenkult steht exemplarisch für eine humane Erinnerungskultur in Europa.

Bei der feierlichen Neueröffnung der „Jama“ am 10. Juli 2001 verlas Präsident Lukaschenko eine Rede, die Beachtung gefunden hat. Eine Sonderausgabe in einer jüdischen Zeitung hat sie gedruckt. Zum ersten Mal wurden darin die eigenständigen jüdischen Beiträge im „Großen vaterländischen Krieg“ genannt und nicht – wie sonst üblich – in das allgemeine Heldengedenken eingeschlossen.

Alltags-Antisemitismus

Von einem staatlich propagierten oder unterstützten offenen Antisemitismus kann man in Weißrussland nicht sprechen. Der populäre Alltags-Antisemitismus in der Gesellschaft ist allerdings spürbar. Immer wieder finden sich Hakenkreuze und andere Zeichen von Vandalismus an den Gedenksteinen, auch am Obelisken der „Jama“. Die Miliz muss gebeten werden, diesen zentralen Ort der Erinnerung zu bewachen. Da viele jüdische Familien Verwandte in Israel, den USA und westeuropäischen Ländern haben, hält sich der Kosmopolitismus-Verdacht hartnäckig. Auch nationalbewussste Weißrussen, die ihre eigene Sprache und Kultur gegen die Tendenz der Russifizierung aller Lebensbereiche verteidigen wollen, hegen ein latentes Misstrauen gegenüber der jüdischen Minderheit. Eine obskure „orthodoxe Initiative für Minsk“ – von der sich der russisch-orthodoxe Metropolit Filaret inzwischen nachdrücklich distanziert hat – hat im Jahr 2000 mit einer antisemitischen Schmähschrift „Krieg gegen die Gesetze der Feigheit“ Aufsehen erregt. Darin wird den Juden die Schuld an der Oktoberrevolution und zugleich am Niedergang der Sowjetunion gegeben. Das Zarenreich und Rasputin werden verehrt; die Juden sind an allem Schuld, was Russlands Größe beeinträchtigt. Die Staatsmacht lässt solche antisemitischen Schriften nicht verbieten. Gelegentlich scheint sie sogar mit Vorurteilen zu kokettieren. Die russisch-orthodoxe Kirche hat sich hingegen inzwischen von der „orthodoxen Initiative für Minsk“ und ihrem Verlag und der Verlagsbuchhandlung distanziert, immerhin ein ermutigendes Zeichen.

Widersprüchliche Zahlen

In dieser Gemengelage ist verständlich, dass sich viele damit schwer tun, sich wieder zu ihren jüdischen Wurzeln zu bekennen. Fast 60.000 Juden sind nach 1989 ausgewandert, die meisten nach Israel. In einigen Schulen unterrichten Lehrkräfte aus Israel – meist Angehörige von Emigranten aus Weißrussland – in den Fächern Hebräisch und Israel-Landeskunde. So wird für den Exodus nach Israel geworben. Junge Menschen wandern aus, ältere bleiben im Land ihrer Väter. Nach der letzten staatlichen Volkszählung von 1999 leben 28.000 Juden in Weißrussland. Ihren eigenen Angaben zufolge umfassen die jüdischen Gemeinden etwa 70.000 Menschen. Die in einigen Publikationen genannte Zahl von 85.000-120.000 Menschen jüdischer Nationalität in Weißrussland ist wohl übertrieben.

Opfergruppen

Einheit in Vielfalt kennzeichnet auch die Opferverbände. Vom staatlich privilegierten Verband der Kriegsveteranen zuweilen kritisch betrachtet, wetteifern gleich drei Verbände um die Vertretung der „Holocaust-Überlebenden“. Die sehen wiederum kritisch auf die Gruppe ehemaliger Zwangs- und Fremdarbeiter, denen die deutsche Stiftung „Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ eine „Entschädigungssumme“ ausgezahlt hat. Die nach dem Krieg in der Sowjetunion eingeübte Verdächtigung, Zwangsarbeiter hätten nicht gelitten und seien als Kollaborateure in deutschen Fabriken eingesetzt worden, haftet diesen Menschen noch immer an. Die Bemühungen, in der Geschichtswerkstatt des IBB alle Opfergruppen an einen Tisch zu bringen, lösen gelegentlich heftige Diskussionen unter den Zeitzeugen aus.

Vom jüdischen Alltag in Weißrussland damals und heute ist in den Biographien der Opfer viel zu erfahren. Beispielhaft zeigt das die Publikation der „Projektgruppe Belarus“ im Jugendclub Courage Köln. Unter dem Titel „Existiert das Ghetto noch?“ ist sie 2003 in Berlin erschienen. Leonid Rubinschtein als KZ-Überlebender und Michail Treister berichten von ihren Kämpfen als Partisanen und in der Roten Armee und von ihren Familien. Ihre Erinnerungen stehen für eine Generation von Zeitzeugen. Sie geben auch Auskunft über das heutige alltägliche Leben in dem Land östlich der Grenze der Europäischen Union.

Einladungen 2008

Zwei Ereignisse werden 2008 Akzente in den jüdischen Alltag setzen. Die Eröffnung der neuen Synagoge findet im Juni statt. An zwei Tagen im Oktober wird in Minsk an die Auflösung des Ghettos vor 65 Jahren erinnert. Im staatlichen Vorbereitungskomitee, das zum ersten Mal zu einem solchen Anlass gebildet worden , vertreten Leonid Lewin die jüdische Gemeinschaft und Victor Balakirew die Internationale Bildungs- und Begegnungsstätte „Johannes Rau“ und die Geschichtswerkstatt.2 „Erinnern für eine gemeinsame Zukunft“ bleibt die Aufgabe. Viele Gäste werden zu diesen Anlässen kommen, auch aus Deutschland. Leonid Lewin wurde am 2. April 2008 durch den deutschen Botschafter für seinen Beitrag zur Versöhnungsarbeit mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. Viele Brücken der Verständigung hat er als Künstler und als Sprecher der Juden in Weißrussland gebaut. Und er lädt geduldig dazu ein, diese Brücken von beiden Seiten zu begehen.


Fußnoten:


  1. Vgl. zum Folgenden auch ausführlich Frank Nesemann: Versunkene Welten – Geschichte und Kultur der Juden Weißrusslands. In: OST-WEST. Europäische Perspektiven 5 (2004), H. 2, S. 132-141, bes. S. 136-140 (der gedruckten Ausgabe). 

  2. Weitere Hinweise: http://www.ibb-d.de/geschichtswerkstatt_minsk0.html (letzter Zugriff: 24.10.2013). – Informationen und aktuelle Interviews bringt auch HaGalil-online (letzter Zugriff: 24.10.2013).